Zeitung Heute : Der Master macht die Marke

Mit Masterstudiengängen können sich die Universitäten gegenüber anderen profilieren und die besten Studenten anlocken

Katja Wilke

Auf beste Bewertungen von Studenten und Absolventen konnte sich die European Business School (EBS) in Oestrich-Winkel schon immer verlassen. Beim Hochschulranking 2007/2008, das die Karriere-Redaktion des Handelsblatt durchführte, legte Deutschlands älteste Privathochschule auch in der Gunst der Personaler noch einmal deutlich zu und schob sich hier mit 16,1 Prozent Nennungen von Platz sechs auf Platz drei vor. Damit verdrängte sie die renommierte Traditions-Uni Münster vom Bronzeplatz der Personaler.

Die Ergebnisse eines Benchmarkings, bei dem abgefragt wurde, wie gut die Hochschulen in Sachen Berufsvorbereitung aufgestellt sind, bestätigen, wie gut die EBS dasteht: Sie erreicht hier die höchste Punktzahl von allen Unis und führt insgesamt zum ersten Mal das Ranking der Wirtschaftshochschulen an. Vorjahressieger Handelshochschule Leipzig muss sich Platz zwei mit der Uni Witten/Herdecke (Vorjahr Platz vier) teilen.

Für Cornelia Glees-zur Bonsen, Marketingleiterin der European Business School, ist das gute Abschneiden eine schöne Bestätigung: „Wir verfolgen einen sehr dynamischen, internationalen Expansionskurs. Das heißt konkret: Neue Studienangebote, mehr Studentenservice, mehr Professoren, eine Steigerung der Forschungsleistungen, ein verstärktes Marketing und kontinuierliches Qualitätsmanagement auf allen Ebenen.“

Die aus Sicht der EBS wichtigsten neuen Studienangebote sind die beiden konsekutiven Masterstudiengänge, die zum Wintersemester 2007 starten. Jeweils auf drei Semester sind der Master in Business Law und der Master in Management angelegt. Die Absolventen dieser Programme spezialisieren sich auf zwei von zwölf Vertiefungsrichtungen - zum Beispiel Family Business and Entrepreneurship, IT-Management & Consulting oder Mergers & Acquisitions.

Masterstudiengänge werden für die Hochschulen künftig ein wichtiges Instrument, um sich zu profilieren. Es gilt, die besten Bachelorabsolventen der eigenen Hochschule zu halten und neue Studenten von anderen Hochschulen zu gewinnen. Damit wird der Grundstein für künftiges Renommee gelegt.

An der European Business School setzt man neben den Eigengewächsen, die bereits den Bachelor in Oestrich-Winkel gemacht haben, künftig vor allem auf Studenten von Partnerhochschulen und aus dem Ausland. Das Marketingteam der EBS tourte bereits wochenlang durchs Ausland und machte an Hochschulen in Osteuropa, Skandinavien und in der Türkei Werbung für die neuen Studiengänge.

„In Deutschland gibt es derzeit noch nicht genügend qualifizierte Bachelorabsolventen“, erklärt EBS-Rektor Christopher Jahns. Die Ansprüche für einen Masterplatz sind hoch: Willkommen ist, wer die hohen Anforderungen, die die EBS an die eigenen Studenten stellt, gleichwertig erfüllt. Für die Aufnahme müssen externe Bewerber 200 Creditpoints erreicht haben und einen umfangreichen Aufnahmetest durchlaufen. Die Absolventen von Fachhochschulen werden es schwer haben, vermutet Rektor Jahns. Für Studiengebühren von 6500 Euro pro Semester verspricht die EBS ihren künftigen Masterstudenten ein Programm, welches durch Internationalität und hohen Praxisbezug auf Führungspositionen vorbereitet.

Für den höchsten Neueinsteiger im Uni-Ranking, die Zeppelin-Universität (ZU) in Friedrichshafen – obwohl sie bei Personalern noch nicht im Fokus ist, schaffte sie es insgesamt auf Platz acht - ist das Anpreisen des Praxisbezugs nur hohles Wortgeklingel. Die ZU, die erst vor dreieinhalb Jahren gegründet wurde, hat einen „altmodischen“ Ansatz, wie Präsident Stephan Jansen kokettiert: „Es gibt nichts Praktischeres als eine gute Theorie.“

Dazu kommt eine gute Portion Interdisziplinarität, die den Zeppelin-Professoren sehr wichtig ist. „Die Biografien unserer Absolventen sind eigenwilliger als von Business-School-Abgängern - neben Beratern und Bankern gibt es auch Bürgermeister, Gründer oder Radiomacher“, sagt Jansen. „Durch den interdisziplinären Ansatz vermitteln wir unseren Absolventen Kommunikations- und Übersetzungsfähigkeit. Das scheint uns genau das zu sein, was Manager im Job brauchen – und was mitunter fehlt.“ Der Master, der an der ZU schon im dritten Jahrgang läuft, setzt deswegen bewusst auf einen sehr breit angelegten Bachelor auf. Doch auch Studenten anderer Hochschulen sind im Masterprogramm „Corporate Management & Economics“ willkommen.

Die Uni Mannheim, beliebteste Uni bei Personalern (Gesamtwertung Platz zehn), setzt darauf, speziell für die Masterprogramme international renommierte Wissenschaftler zu berufen. „So wollen wir die besten Studenten aus der ganzen Welt locken“, sagt Rektor Hans-Wolfgang Arndt. Mit attraktiven Masterprogrammen will die Uni aber auch verhindern, dass die besten Köpfe bereits nach dem Bachelorabschluss abgeworben werden. „Unternehmen bieten den Top-Absolventen an, nach ein paar Jahren im Unternehmen die Kosten für einen MBA-Abschluss zu übernehmen“, hat Arndt beobachtet. „Das ist natürlich verlockend.“

Auch der Vorjahressieger des karriere-Rankings, die Leipzig Graduate School of Management (HHL), hat, genau wie Mannheim und die ZU Friedrichshafen, schon erste Erfahrungen mit dem Masterstudium. Seit September 2006 bieten die Leipziger den Master of Science in General Management an.

Überraschend findet Volker Stößel, Pressesprecher der HHL, dass viele Studenten sich noch nicht an den Masterabschluss gewöhnt haben: „In Deutschland ist noch in vielen Köpfen verankert, dass der MBA besser ist als der Master. Dabei unterscheiden sich diese Abschlüsse grundsätzlich voneinander.“ Der MBA legt in Leipzig hauptsächlich bei Nicht-BWLern ein wirtschaftswissenschaftliches Fundament. Wer einen Wirtschafts-Bachelor in der Tasche hat, ist dagegen mit dem Master besser bedient. Da die HHL eine Graduiertenschule ist, bietet sie keinen Bachelor an und will dies auch vorerst nicht. Ein wichtiger Abschluss ist nach wie vor das Diplom, weil dies nach Aussage von Stößel bei den Studenten noch stark nachgefragt wird.

Die FHs nutzen die Umstellung auf die neuen Studiengänge, um zu den Unis aufzuschließen: An der FH Deggendorf, die das Ranking wegen der guten Bewertungen von Studierenden und Absolventen anführt, ist gerade der erste konsekutive Masterstudiengang in Wirtschaftsinformatik gestartet, im Winter soll der Master in Betriebswirtschaftslehre folgen. Damit will die Fachhochschule in erster ?Linie ihre eigenen Bachelorstudenten abholen, aber auch die Absolventen anderer Hochschulen sind gern gesehen – und zwar auch von den Universitäten.

Die Private Fachhochschule Göttingen (PFH) – im Ranking von Platz sechs auf Platz drei aufgestiegen – sichert ihren Masterstudenten gar eine vertraglich fixierte Jobgarantie zu. Absolventen bekommen die Studiengebühren eines kompletten Jahres erstattet, sollten sie ein halbes Jahr nach erfolgreichem Studienabschluss keine adäquate Anstellung gefunden haben. Hier setzt man auf Schnelligkeit: In Göttingen ermöglicht ein Intensivstudium, Bachelor plus Master in insgesamt nur vier Jahren und vier Monaten zu erwerben. Doch die Masterstudiengänge General Management und Business Information Systems, die zum Wintersemester 2007 starten, sind auch offen für Bachelor-Absolventen anderer Hochschulen. „Die Bewerber wollen einen Bachelor einer No-Name-Hochschule mit einem Master von uns aufmöbeln“, beobachtet Hochschulsprecher Peter Diehl.

Die Universitäten lässt das Engagement der Fachhochschulen aber nicht kalt: Dass sich die Unterscheidung zwischen Uni und FH wegen der Einführung von Bachelor und Master in den nächsten Jahren nivellieren wird, glaubt sogar der Mannheimer Uni-Rektor Arndt. Was zähle, sei aber allein die Qualität des Angebots. Der Wettbewerb der Hochschulen kann dabei nicht schaden. Karriere

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