Zeitung Heute : Der Medienriese will Zukäufe erst einmal verdauen und schwarze Zahlen schreiben

agr

Nach einem Jahr des Höhenflugs, das durch hohe Investitionen und zahlreiche Akquisitionen gekennzeichnet war, setzt der Gütersloher Medienriese Bertelsmann AG auf Konsolidierung. "Wir sind in eine neue Dimension hineingewachsen", sagte Vorstandsvorsitzender Thomas Middelhoff. Von den 4,7 Milliarden Mark Investitionen im Geschäftsjahr 1998/99 entfielen allein 3,7 Milliarden Mark auf die Akquisitionen Random House, Wissenschaftsbuchverlag Springer und Barnesandnobles.com. Dies müsse erst einmal verdaut werden. Ziel sei es, das Ertragspotenzial des Unternehmens voll auszuschöpfen. Für das laufende Geschäftsjahr peilt Bertelsmann eine deutlich bessere operative Ergebnisqualität an. Der Umsatz soll deutlich über der 30-Milliarden-Mark-Grenze liegen.

Mit dem über drei Jahre laufenden Konsolidierungsprogramm will Bertelsmann 750 Millionen Mark an Ertragspotenzial im Unternehmen heben. Bis Ende 1999 sollen alle Bereiche schwarze Zahlen schreiben. Für alle Geschäfte werde eine Kapitalrentabilität von mindestens zehn Prozent bis Ende 2000 angestrebt, sagte Middelhoff. Um das künftige Wachstum aus eigener Kraft finanzieren zu können, sei allerdings eine Kapitalrendite von 15 Prozent erforderlich. Damit könne das Ziel erreicht werden, künftig jährlich um rund zehn Prozent zu wachsen. Einstellung und Verkauf nicht erfolgreicher Geschäfte gehörten genauso zu den Konsolidierungsmaßnahmen wie die Verbesserung ertragsschwacher Geschäfte und die Mobilisierung von Kostenreserven. Vordringlichste Aufgabe sei, die Stammgeschäfte, das Musik- und Buchclubgeschäft, weiter zu stärken.

Gleichzeitig soll das Internet-Geschäft als Teil des Stammgeschäfts ausgebaut werden. Middelhoff: "Wir werden das eine tun, ohne das andere zu lassen." Klares Ziel sei es, Bertelsmann zur Nummer eins im Bereich E-Commerce aufzubauen. Aber auch die Online-Services sollen stark ausgebaut werden. Dabei setzt man auf die Digitalisierung und Vermarktung der vorhandenen Medieninhalte und den Aufbau von Datenbanken. Gleichzeitig soll die Internationalisierung des Geschäfts vorangetrieben werden. Middelhoff: "Die jungen Internet-Firmen bereiten uns mehr Kopfzerbrechen als die großen Megafusionen in der Medienbranche."

In vier bis fünf Monaten will Bertelsmann zudem den Dienst Print-on-Demand im Hardcover-Bereich starten, der nach ein bis anderthalb Jahren komplett in Farbe zur Verfügung stehen soll. Davon verspricht sich der Konzern einen erheblichen Umsatzsprung, da dann beispielsweise auch bereits vergriffene, aber immer wieder nachgefragte Literatur verkauft werden kann.

Im gesamten Bereich Multimedia sind Investitionen von über zwei Milliarden Mark bis 2001/02 vorgesehen. Der Umsatz in diesem Bereich soll bis dahin verdreifacht werden. Finanziert werden soll der Ausbau des Internet-Bereichs mit einem aktiven Portfolio-Management. Bertelsmann will künftig Börsenwerte in Teilbereichen als zusätzliche Akquisitionswährung nutzen.

In den konsolidierten Konzernzahlen ist der Umsatz der 50-Prozent-Beteiligung an der CLT-Ufa von sechs Milliarden Mark nicht enthalten. Einschließlich des auf Bertelsmann entfallenden Anteils erreicht die Gruppe bereits heute mit 29 (25,7) Milliarden Mark knapp das für das laufende Jahr anvisierte Umsatzziel. Vor Firmenwertabschreibung beläuft sich der Jahresüberschuss auf 1,26 (1,12) Milliarden Mark.

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