Zeitung Heute : Der Mensch ist entziffert: Deutschland will an die Spitze europäischer Genomforschung

Die konkurrierenden Wissenschaftler des internationalen Human-Genom-Projekts (HGP) und der amerikanischen Firma Celera Genomics haben am Montag zeitgleich auf den Internet-Seiten der Fachjournale "Nature" und "Science" die bislang genauesten Genkarten des Menschen veröffentlicht. Demnach ist die Zahl der menschlichen Gene mit 26 000 bis 40 000 viel kleiner als angenommen. Sie liegt etwas höher als bei bestimmten Fliegen und Würmern, beträgt aber weniger als die Hälfte früherer Schätzungen.

Die menschlichen Gene werden nach Auskunft deutscher Forscher jedoch in viel komplexerer Weise abgelesen als bei Tieren. Mit neuen Medikamenten sei erst in zehn bis zwanzig Jahren zu rechnen, betonten die Forscher am Montag in Berlin bei der Präsentation einer Genkarte.

Die Bundesregierung will Deutschland mit insgesamt 870 Millionen Mark in den nächsten drei Jahren an die Spitze der öffentlichen Genomforschung in Europa setzen. Das kündigte Forschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) in Berlin an. Allein 350 Millionen Mark davon werden in ein nationales Genomforschungsnetz fließen. Das Geld für das Netz stamme aus Zinsersparnissen des Verkaufs der UMTS-Lizenzen. Seit der Regierungsübernahme von SPD und Grünen wurden die Forschungsausgaben in der Bio- und Genforschung vervierfacht.

Die SPD und die evangelische Kirche halten eine sorgfältige Debatte zu den ethischen Fragen der Gentechnologie für geboten. Bei einem Spitzentreffen der Sozialdemokraten mit dem Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) wurde auf Vorschlag von Gerhard Schröder dazu ein Dialog zwischen SPD und Kirchen vereinbart. Dabei kündigte der Kanzler die Einsetzung eines nationalen Ethikrates an. Das Wissenschaftler-Gremium soll beim Kanzler angesiedelt sein. Die SPD-Ministerinnen Edelgard Bulmahn, Ulla Schmidt und Herta Däubler-Gmelin sollen dem Präsidium ihrer Partei bis April eine "möglichst einvernehmliche Meinung" zu Gentests bei im Reagenzglas erzeugten Embryonen vorlegen. Die CDU will ihre Position in den nächsten drei Monaten festlegen.

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