Zeitung Heute : Der Millionen-Kick

Der Tagesspiegel

Die von der Insolvenz bedrohte KirchGruppe sorgt mit ihren 1,53 Milliarden Euro, die sie für einen Vierjahresvertrag bis 2004 mit der Deutschen Fußball-Liga (DFL) vereinbart hat, für die Existenzgrundlage der meisten Profivereine der 1. und 2. Bundesliga. Bei vielen Erstligisten macht das TV-Geld als wichtigste Einnahmequelle etwa ein Drittel des Etats aus, bei den Zweitligisten mehr als die Hälfte. Die DFL verteilt die TV-Gelder nach einem Schlüssel 80:20 an die 18 Erstligisten und die 18 Vereine der 2. Liga. Für die laufende Spielzeit stehen den Eliteclubs somit 286,32 Millionen Euro zur Verfügung, die Zweitligisten müssen sich mit 71,58 Millionen Euro begnügen.

Schon jetzt arbeitet die überwiegende Zahl der Proficlubs mit Verlusten. Ihr Schuldenberg wird auf eine halbe Milliarde Euro geschätzt. Ausschlaggebend dafür sind auch die seit dem Bosman-Urteil 1995 enorm gestiegenen Zuwendungen an die Spieler. Seit dieser Zeit sind Fußball-Profis nach Ablauf ihres Vertrages ablösefrei. Die eingesparten Gelder kassieren weitgehend die Spieler selbst. Von 1995 bis 2001haben sich die Personalkosten in der Bundesliga nach einer Berechnung des DFB nahezu verdoppelt.

Der deutsche Meister Bayern München hat als Branchen-Krösus jährliche Personalkosten von bis zu 70 Millionen Euro. Ein Spitzenverdiener wie Nationaltorhüter Oliver Kahn wird auf 5 Millionen Euro Jahresgehalt geschätzt. Vor Einführung des Euro gab es unter den rund 450 Spielern der Bundesliga nur eine Minderheit, die mit weniger als eine Million Mark im Jahr entlohnt worden ist. Die Profi-Einkommen setzen sich aus Grundgehältern und Prämien zusammen. Durch den Anstieg der Gehälter sind auch die Etats der 18 Bundesliga-Vereine enorm gestiegen. Mit 1,08 Milliarden Mark durchstieß ihre Gesamtsumme in der vergangenen Spielzeit erstmals die Milliardengrenze. Für die laufende Saison kalkulierten die 18 Proficlubs mit 1,32 Milliarden Mark (665 Millionen Euro). dpa

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