Zeitung Heute : Der Minivan mit den vier Gesichtern

Ingo Dahlern

Minivan, Großraumlimousine, Multi Purpose Vehicle - vor zwei Jahrzehnten waren diese Begriffe in der Autowelt noch unbekannt. Doch nachdem Chrysler und Renault 1984 mit Voyager und Espace diese neue Fahrzeugklasse erfanden, verbreitete sie sich zusehends und in immer neuen Varianten. Und wer heute als Großserienhersteller nicht mindestens einen Van im Programm hat - viele bringen es bereits auf zwei und drei Klassen unterschiedlicher Größe - hat schlechte Karten. Ein Jahrzent dauerte es, bis Citroën, Fiat, Lancia und Peugeot 1994 in dieser neuen Klasse starteten - mit einem attraktiven Gemeinschaftsprojekt, das ein gemeinsam entwickeltes und produziertes Basisfahrzeug in vier Varianten als Citroën Evasion, Fiat Ulysse, Lancia Z und Peugeot 806 auf den Markt brachte. Und das mit so überzeugendem Erfolg, dass nun die zweite Generation dieses Eurovans an den Start geht.

So präsentiert der Frühjahrssalon in Genf mit Citroën C8, Fiat Ulysse, Lancia Phedra und Peugeot 807 gleich vier Weltpremieren, hinter denen sich durchweg das gleiche Auto versteckt, das in diesen vier Varianten auf einem Produktionsband im nordfranzösischen Valenciennes entsteht. Ein Auto, dessen neue Generation technisch noch einheitlicher auftritt als bisher, dafür aber in der Optik die Unterschiede der einzelnen Marken sehr viel deutlicher herausarbeitet. Das gilt nicht nur für das äußere Erscheinungsbild, sondern insbesondere auch für das jeweilige Interieur, so dass man neben einem typischen Fiat und einem typischen Lancia auch einen typischen Citroën und einen typischen Peugeot vor sich hat - wobei Peugeot bei der Entwicklung der neuen Van-Generation einen besonders hohen Anteil hatte.

Sie ist gewachsen - in allen Dimensionen, denn mit einer Länge von nun 4,72 bis 4,73 Meter übertrifft sie das bisherige Modell um fast 30 Zentimeter. Und auch bei der Breite mit nun 1,83 Meter und der Höhe von 1,75 Meter hat die neue Generation einige Zentimeter zugelegt. Unverändert geblieben mit gut 2,82 Meter ist allerdings der Radstand. Trotzdem ist es den Entwicklern der neuen Van-Generation gelungen, den Längenzuwachs nicht nur einem größeren vorderen Überhang sondern auch dem Innenraum zugute kommen zu lassen. Mehr Raum für fünf bis acht Passagiere ist der erste entscheidende Pluspunkt, den die neue Generation für sich verbuchen kann.

Der, und das ist der zweite wichtige Pluspunkt, ist nun sehr viel variabler als bisher. Denn die Sitze des Vans gleiten in langen Schienen - und das bedeutet, dass man je nachdem, wo man die Sitze fixiert, die Möglichkeit zu praktisch beliebig vielen Konfigurationen hat. Hinzu kommt, dass die Sitze selbst nun sehr viel variabler sind, sich mit wenigen Handgriffen entweder zu einem kleinen Tisch zusammenklappen, komplett hochklappen und auch herausnehmen lassen. Das allerdings ist keine Lösung, wenn man bei langen Reisen zwischendurch wieder zusätzliche Sitzplätze braucht. Und deshalb ist es ausgesprochen praktisch, dass man die zusammengeklappten Sitze entweder weit nach vorn schieben oder auch in einer einzigen Reihe hintereinander fixieren kann. So lässt sich der Laderaum ganz nach Wunsch auf bis zu 2948 Liter erweitern und bietet auch dann, wenn alle Sitze an Bord sind, ausreichend Platz auch für sperriges Ladegut. Besonders variabel sind schließlich Fahrer- und Beifahrersitz, die sich nicht nur in der Höhe verstellen sondern auch um 180 Grad drehen lassen. Und neue Maßstäbe setzt dieses Auto schließlich bei der Vielzahl seiner Ablagen und Staufächer.

Sicherheit und Komfort sind weitere Bereiche, in denen der neue Van mit vielen neuen Details überzeugt. Beim Komfort zum Beispiel mit einer Klimatisierung, die nicht nur für jede Fahrzeugseite ein Wunschklima erlaubt, sondern durch zusätzliche Ausströmer auch im Bereich der einzelnen Sitze. Und zur Sicherheitsausstattung gehören neben Dreipunktgurten und verstellbaren Kopfstützen für jeden Sitz nicht nur zwei Frontairbags und zwei Seitenairbags, sondern für die Passagiere in allen drei Sitzreihen auf jeder Fahrzeugseite auch ein Windowbag. Und für die Kindersitze gibt es Isofix-Verankerungen.

Neue Elemente gibt es auch bei der aktiven Sicherheit der neuen Van-Generation, deren Fahrwerk auf dem bewährten aber gründlich überarbeiteten Konzept mit angetriebener Federbein-Vorderachse und einer speziellen Verbundlenker-Hinterachse basiert. Gebremst wird mit vier Scheiben und unterstützt durch ein ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung. Ebenfalls an Bord ist, je nach Ausstattung als Serie oder Option, die Fahrdynamikregelung ESP und alle Versionen haben einen Bremsassistenten und eine Antriebsschlupfregelung (ASR). Und gelenkt wird mit einer Zahnstangenlenkung mit drehzalabhängiger Servounterstützung. Der Sicherheit dienen auch Reifrendrucksensoren in den Ventilen, die bei Druckabfall eine Warnmeldung auf dem Armaturenbrett erscheinen lassen.

Das zeigt sich in einer ganz neue Optik. Unter einem hohen die beiden A-Säulen verbindenden Bogen finden sich mittig angeordnet drei Rundinstrumenten, deren mitteleres je nach Elektronik-Ausstattung auch durch einen großen Farbbildschirm ersetzt werden kann. Und unterhalb des Armaturenbretts in den Innenraum hinein ragt der ebenfalls mittige Träger für den jyostickähnlichen Schalthebel sowie die Bedienungelemente für Heizung, Klima und Elektronik-Ausstattung von Audio bis zum Telefon. Ein überzeugendes Interieur mit sehr klaren Linien und eleganten Schwüngen ohne jede Verspieltheit.

Unter der Motorhaube der vier Varianten des neuen Vans arbeiten durchweg Motoren von PSA Peugeot Citroën. Basismotorisierung bei den Benzinern ist ein 2,0-Liter-Vierventiler mit 100 kW (136 PS) bei allen vier Marken. Nur im Citroën C8 und im Peugeot 807 angeboten wird auch ein 2,2-Liter-Vierventiler mit 116 kW (148 PS). Und neue Spitzenmotorisierung bei allen Marken ist ein 3,0-Liter-V6 mit einer Leistung von 150 kW (204 PS), der den Van binnen 11,0 Sekunden Tempo 100 und 205 km/h erreichen lässt. Außerdem gibt es zwei Diesel, die für alle Varianten, auch wenn sie bei Fiat und Lancia die Zusatzbezeichnung JTD tragen, direkt einspritzende HDi-Diesel mit Common Rail von PSA mit 2,0 und 2,2 Liter Hubraum und 80 und 94 kW (109 und 128 PS) sind. Sie sind bei Peugeot und Citroën in beiden Versionen mit dem Rußpartikelfilter FAP kombiniert und auch bei den Ulysse- und Phedra-Versionen mit 2,2-Liter, so dass nun erstmals auch Autos mit Fiat- und Lancia-Markenzeichen mit dieser Technik ausgestattet sind. Bei den Getrieben stehen zwei verschiedene Fünfgang-Schaltgetriebe und zwei Viergang-Automatikgetriebe, letztere auch mit manueller Schaltgasse, zur Wahl.

Licht und Regensensor, Xenon-Licht und elektronische Parkhilfe, ein dreiteiliges Schiebedach und neu-este Telematiksysteme und auf Wunsch auch elektrisch betriebene Schiebetüren gehören zur Ausstattung der neuen Van-Generation, die noch in diesem Herbst zu den Händlern der vier beteiligten Marken rollen wird.

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