Zeitung Heute : der Mitte

Reger Austausch mit Schülern aus Beijing

Rainer W. During

Das hat Schulleiterin Gudrun Borchert festgestellt. Das dürfte aber nicht am guten Willen liegen, sondern am Mangel an Deutschlehrern in China. Dort konzentriert man sich bisher weitgehend auf die Fremdsprache Englisch. Verständigungsprobleme kennen die Jungen und Mädchen trotzdem nicht, man unterhält sich in einem Durcheinander aus drei Sprachen, und wenn das nicht reicht, müssen eben Hände und Füße eingesetzt werden.

Die Frohnauer „Chinesen“ der ersten Stunde sind längst auf der Oberschule. Am Humboldt-Gymnasium, das inzwischen ebenfalls über eine Partnerschule im Land der Mitte verfügt, setzen sie den Sprachunterricht fort. An der Gollancz-Grundschule haben in diesem Schuljahr 32 Jungen und Mädchen die Arbeitsgemeinschaft belegt. Die Nachfrage auch für das kommende Unterrichtsjahr ist groß, wenn auch lokal beschränkt. Anfragen von Eltern aus anderen Bezirken gibt es selten. „Dafür liegen wir wohl zu hoch im Norden“, sagt Gudrun Borchert. Inzwischen gibt es bereits erste Engpässe. Weil die chinesische Lehrerin auch am Humboldt-Gymnasium unterrichtet, sind ihre Kapazitäten begrenzt. So musste ein Student einspringen, Entlastung könnte eine Chinesin bringen, die demnächst in Berlin ihr Examen macht. Vorausgesetzt, es wird ein Weg gefunden, sie trotz externer Einstellungsstopps zu verpflichten.

Die Rektorin wünscht sich, Chinesisch einmal ganz offiziell als Fremdsprache anbieten zu können. Es gibt sie bisher nur als Wahlpflichtfach an einigen Gymnasien. Denn trotz der Kompliziertheit der Sprache ist die Ausfallquote gering. In den anderthalb Stunden Unterricht pro Woche werden nicht nur Laute und Schriftzeichen gepaukt, sondern es wird auch viel über die Kultur des anderen Landes vermittelt. Angst vor schlechten Noten braucht ohnehin kein Teilnehmer zu haben. Es gibt keine Zensuren, und der Kurs hat keine Relevanz für die Versetzung.

Neben der Internationalität gehört der Musikunterricht zu den Schwerpunkten der Gollancz-Schule. Eine Kombination aus beiden Spezialrichtungen gab es im März, als Schüler und Lehrer mit der Aufführung des chinesischen Theatermusicals „Der Affenkönig“ im Fontane-Haus brillierten. Damit wollte man auch gegenüber der Politik ein Zeichen setzen, denn der Senat plant die drastische Kürzung der Mittel für musikbetonte Grundschulen.

Der heiße Draht nach China ist übrigens nur einer von vielen internationalen Kontakten, die unter anderem nach England, Frankreich, Polen, Estland und in die Türkei reichen. Damit nicht genug, seit einigen Jahren gibt es auch eine Verbindung zur Jurong-School in Singapur. Hier sind besonders die fünften und sechsten Klassen engagiert. Bisher, so Vize-Schulleiter Wolfgang Hühmer, beschränkt man sich allerdings auf Videokonferenzen.

www.victor-gollancz-grundschule.de

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