Zeitung Heute : Der Mond ist aufgegangen

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Schon ihr Name sagt es: Sarah Moon ist ein Geschöpf der Nacht. Das Tageslicht hat sich aus ihren überwiegend in Schwarzweiß gehaltenen Fotografien davongemacht, und ein fahles Leuchten verleiht den Dingen weiche Konturen: Der Mond ist aufgegangen, vielleicht. Wer kann schon hinter die Wolkenschichten sehen, die sich wie eine Glocke über den Szenerien zu wölben scheinen. Der Blick der Menschen geht nach innen, und geschlossene Augen, wie bei dem hier abgebildeten Porträt der Schauspielerin Anouk Grinberg, sind keine Seltenheit. Sarah Moon interessiert sich, wie sie erklärt, für den "Zerfall des Ephemeren", und sie akzentuiert ihn, indem sie der Filmemulsion manchmal Kratzer zufügt. Einzeln betrachtet, gehören ihre Aufnahmen oft ins kunsthandwerkliche Reich der Modefotografie, in dem Moon seit vielen Jahren eine feste Größe ist. Im Zusammenhang entsteht eine eigene Welt, der man den jeweiligen Auftraggeber nicht mehr ansieht. "Der Fotograf ist ein Räuber", sagt ihr Lebensgefährte Robert Delpire. Und gesteht, wie überrascht er immer von Sarahs Talent war, "das Offensichtliche zu vermeiden."

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