Zeitung Heute : Der Nahe Osten kommt uns näher

Der Tagesspiegel

Jetzt erlebt Deutschland, wie nachhaltig ein Terroranschlag in das Bewusstsein einer Gesellschaft eindringt – wenn er das eigene Volk trifft. Es ist ja nicht nur das Erschrecken über die schlimme Nachricht in den ersten Stunden. Das Entsetzen will kein Ende nehmen, das Sterben der Opfer, das Leiden der Verwundeten begleitet die Öffentlichkeit über Tage. Und da ist wenig Hoffnung, an die man sich klammern kann, gerade bei so schweren Brandverletzungen wie nach der Explosion eines mit Gas beladenen Lasters vor der Synagoge auf Djerba. Die Zahl der toten Deutschen ist gestern auf zehn gestiegen. Zehn vernichtete Leben, zehn verzweifelte Familien. In den Spezialkliniken in Berlin, Hamburg, Lübeck, Aachen ringen weitere Menschen um ihr Leben. Ganz nah ist der Nahost-Konflikt plötzlich gerückt, so bedrückend nah, dass das verbissene Streiten, ob Deutschland, ob Europa sich einmischen soll und auf welcher Seite, auf einmal ziemlich unangemessen wirkt. Kann jetzt noch jemand zweifeln, dass dieser Konflikt uns betrifft, dass auch die Bundesregierung das Ihre zur Lösung beitragen muss? Nicht aus altruistischen Motiven, nicht aus Gründen einer höheren Moral. Sondern weil die Vorstellung, dass Djerba sich wiederholen könnte und niemand etwas dagegen unternimmt, schwer zu ertragen ist. cvm

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