Zeitung Heute : Der neue Spreepark – klein, aber fein?

Der Tagesspiegel

Von Steffi Bey

Treptow. Das Finanzierungskonzept für die Übernahme des Spreeparks steht: Zumindest hat jetzt der potentielle Investor für das Areal im Plänterwald, der wohlhabende Stuttgarter Schausteller Rolf Schmidt, seine Vorschläge zu Papier gebracht. Demnach will er maximal 15 Millionen Euro für die Übernahme des Vergnügungsparks ausgeben. Nach Auskunft des Anwaltes Hans-Ludwig Trümper, wollte Schmidt gestern auch endlich dem Liegenschaftsfonds sein Betreiberkonzept übergeben.

Schmidt selbst hält sich allerdings mit öffentlichen Äußerungen zurück. „Ich sage erst etwas, wenn alles in Sack und Tüten ist“, betonte er auf Anfrage. Doch Trü mper, der als Bevollmächtigter der Spreepark GmbH &Co KG fungiert, und im Auftrag der nach Peru geflohenen Familie Witte das Unternehmen veräußern soll, zeigt sich gesprächsbereit. „Mit den 15 Millionen Euro will der neue Betreiber sowohl die Verpflichtungen gegenüber der Bank als auch offene Zahlungen gegenüber anderen Gläubigern übernehmen“, erklärt der Anwalt. Zur Erinnerung: Allein der Schuldenberg, den Familie Witte bei der Bank hinterlässt, beträgt rund 10 Millionen Euro. Gleichzeitig macht Trümper deutlich, dass einige der etwa 90 verschiedenen Gläubiger, bei denen die Spreepark GmbH & Co KG noch offene Rechnungen zu begleichen hat, nur einen Teil ihrer Forderungen erhalten werden. Das würde vor allem Großgläubiger wie beispielsweise die Bewag, die Wasserbetriebe oder das Land Berlin betreffen.

„Bei den meisten handelt es sich aber um kleine Summen die zwischen 100 und 200 Euro liegen und Handwerkern oder Lieferanten zustehen“, sagt Trümper. Außerdem wolle Rolf Schmidt mit „seiner Investitionssumme“ auch das Grundstück im Plänterwald erwerben. Schließlich habe ein Erbbaupachtvertrag nur Nachteile, findet Trümper. Bei der Aufnahme von Darlehen müssten bei einer solchen Konstellation erst mehrere Senatsverwaltungen zustimmen. „Und das dauert erfahrungsgemäß sehr lange“, macht Trümper deutlich. 2,5 Millionen Euro hat der Stuttgarter Schausteller für das Grundstück veranschlagt. Und das, obwohl der aktuelle Verkehrswert bei rund 5 Millionen Euro liegt. Hans-Ludwig Trümper hat auch dafür eine Begründung: Die Berechnung vom Herbst vergangenen Jahres basiere auf ganz anderen Voraussetzungen. Das betreffe sowohl die Besucherzahlen – unter Leitung der Familie Witte wurden 1,5 Millionen Gäste pro Saison zugrunde gelegt – während Rolf Schmidt von ungefä hr 500000 Besuchern ausgeht. Zudem rechnet der neue Betreiber mit einer kleineren Grundstücksfläche. Er möchte künftig nur 21,5 Hektar für den Vergnügungspark nutzen, während sich der Erbbaupachtvertrag auf 29,5 Hektar bezieht.

Ob der Liegenschaftsfonds das Areal tatsächlich unter dem aktuellen Verkehrswert veräußert, bleibt abzuwarten. Dass es zum Kauf angeboten werden soll, hatte Holger Lippmann, Chef des Liegenschaftsfonds, bereits ö ffentlich verkündet. Konkret könne er sich allerdings erst zum Betreiberkonzept äußern, wenn es vorliegt. Das Bezirksamt Treptow-Köpenick erklärte inzwischen, dass es in Kürze einen Bebauungsplan für das Gelä nde im Plänterwald aufstellen wird. Die Schaffung von Stellplätzen, die Errichtung eines Parkhauses und die Anbindung an die Bulgarische Straße sollen darin unter anderem festgeschrieben werden. Außerdem wies Bürgermeister Klaus Ulbricht (SPD) jetzt Vorwürfe der Bündnisgrünen zurück,der Bezirk trage eine Mitverantwortung für die Spreepark-Misere. „Unsere Verwaltung war jahrlang tätig, hat Baustopps und Bußgelder gegen die GmbH verhä ngt“, sagt der Bezirkschef.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!