Zeitung Heute : DER NEW YORKER: ZAC POSEN ZEIGT EINEN KESSEL BUNTES

Am Schluss gab es eine Videobotschaft: „Danke, Berlin“, verkündete der New Yorker Zac Posen von gleich mehreren Flachbildschirmen herab und verbeugte sich. Bei keiner anderen Schau der Fashion Week im Postbahnhof war der Andrang so groß gewesen wie bei dem Designer, der nicht anwesend war.

Vielleicht wollten einfach alle am Ende noch mal dabei sein. Dass eine Modenschau ein wirtschaftlich relevantes Ereignis sein kann, hat sich in Deutschland noch nicht herumgesprochen, hier trifft man sich eher wie zu einem unterhaltsamen Empfang. Die vielen Fotografen scheinen auch vor allem Interesse an der großen Schar an B- und C-Prominenz zu haben. Gekleidet sind sie alle wie für einen Galaabend – aber bei der letzten Schau merkt man eine gewisse Ermüdung. Die Schauspielerin Karoline Herfurth zum Beispiel trug schon zum zweiten Mal ein auffälliges rotes Abendkleid.

Dabei hatte Zac Posen seine Teilnahme an der Berliner Modewoche damit begründet, dass Deutschland ein wichtiger Markt für ihn sei. Er war diesmal der einzige wichtige Name aus dem Ausland und zeigte eine Nebenlinie für die Zwischensaison. Seine Hauptkollektion präsentiert der 27-jährige Wunderknabe der New Yorker Mode natürlich nächste Woche in seiner Heimatstadt.

Aber auch so bekam man eine gute Vorstellung davon, wie Zac Posen Frauen anziehen will: Möglichst feminin, aber ohne die amerikanische Sportlichkeit gänzlich außer Acht zu lassen. Immerhin ließ er sich von zwei uramerikanischen Filmfiguren zu dieser Kollektion inspirieren: Bonnie & Clyde.

Das Gezeigte wirkte, als hätte Posen alles Greifbare in einen Koffer geworfen, um den Deutschen möglichst die ganze Bandbreite seines Könnens vorzuführen: Von plissierten Blusen mit eingearbeiteten Gummizuggürteln und weit schwingenden, knielangen Röcken über Trenchcoats und viele gewickelte, am Po knalleng geschnittene Abendkleider bis zu einem froschgrünen Badeanzug war alles dabei. Das letzte Kleid, das in dieser Saison über den Laufsteg ging, durfte die auf Plakaten und Fahrzeugen der Berlin Fashion Week omnipräsente Eva Padberg vorführen.GTH

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