Zeitung Heute : „Der Patient muss sein Risiko kennen“

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Herr Professor Feller, Sie sind Facharzt für Plastische Chirurgie mit Praxis in München und Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen. Gehört Reden auch zu Ihrem Handwerk?

Natürlich, denn die Aufklärung ist nichts Zusätzliches, sondern ein ganz entscheidender Teil der Behandlung. Wir müssen die Patienten so gut informieren, dass sie die Risiken einschätzen können und die möglichen Komplikationen kennen. Schließlich operieren wir gesunde Patienten, das gibt uns eine besondere Verantwortung. Außerdem müssen wir ihnen irrationale Vorstellungen darüber nehmen, was alles möglich sei und sie auf das in ihrem Fall Machbare „herunterholen“. Es hat sich bewährt, im Anschluss an dieses erste Gespräch etwas Zeit vergehen zu lassen und ein zweites Gespräch nach 14 Tagen zu vereinbaren.

Wird er oder sie im Einzelfall auch von dem Eingriff abraten?

Das gehört zu unserem Selbstverständnis als Ärzte. Wenn zum Beispiel eine Frau mittleren Alters kommt, die sich ein Facelifting wünscht, eigentlich aber einen guten Hauttonus hat, dann ist es sinnvoller, ihr davon zum jetzigen Zeitpunkt abzuraten und ihr stattdessen eine gute Hautpflege zu empfehlen. Schlechte Kandidaten für eine Operation sind generell Menschen, bei denen wir den Eindruck haben, dass sie von außen zu einem Eingriff gedrängt wurden.

Worüber müssen Sie Ihre Patienten vorher informieren?

Wichtig sind prozentuale Angaben zu den Risiken. Der Patient muss einschätzen können, wie groß eine bestimmte Gefahr ist. Außerdem müssen wir darüber sprechen, was im Fall eines Falles getan werden kann: Wie kommen wir dann aus dieser Situation heraus?

Welche Rechte und Möglichkeiten hat der Patient, wenn er mit dem Ergebnis unzufrieden ist?

Jeder Patient sollte sich vor dem Eingriff erkundigen, ob der Arzt, der ihn operiert, eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen hat. Es gibt Kollegen, die ohne Haftpflichtversicherung operieren.

Welche Veränderungen kommen auf die Patienten durch das Gesundheitsmodernisierungsgesetz zu?

Dort ist festgelegt, dass Versicherte die Folgen von Komplikationen bei ästhetischen Eingriffen selbst tragen.

Mit Axel-Mario Feller sprach Adelheid Müller-Lissner.

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