Zeitung Heute : Der Placebo-Effekt

Der Tagesspiegel

Die Wirkung von Medikamenten vergleicht man in der Regel mit einem Scheinmedikament (Placebo). Es hat sich nämlich gezeigt, dass schon allein das Gefühl, behandelt zu werden, bei der Genesung hilft – der Placebo-Effekt. Um die Wirkung eines Medikamentes zu testen, bekommt eine Kontrollgruppe deshalb ein Scheinmedikament, das keinen aktiven Wirkstoff enthält. Diese Prodezur hat allerdings ethische Bedenken provoziert: Wie soll man rechtfertigen, dass kranke Menschen ein Scheinmedikament bekommen? Die Kritiker schlagen vor, das neue Medikament mit bereits vorhandenen Wirkstoffen zu vergleichen – oder mit den Erfahrungswerten, die man mit Placebo-Studien bereits gesammelt hat. Eine Studie im Fachblatt „Jama“ legt nun nahe, dass man auf eine Placebo-Kontrolle nicht verzichten sollte: Je nach Studiendesign schwankt der Placebo-Effekt, Erfahrungswerte lassen sich also nicht so einfach übertragen. Wenn aber der Placebo-Effekt von Studie zu Studie schwankt, kann immer nur ein Scheinmedikament offenbaren, wie hoch der Placebo-Anteil eines neuen Medikaments wirklich ist. bas

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