Zeitung Heute : Der Platz als Landschaft - Zwei Jahre lang wurde die Fläche neu gestaltet

Rolf Brockschmidt

Ein Schmuckstück der Stadt ist er nie gewesen, wohl aber ein historischer Ort, der schon eine Weltausstellung, bedeutende Demonstrationen und überschäumende Jubelfeiern zu Ehren siegreicher Fußballmannschaften erlebt hat. Cornelis van Eesterens Stadtentwicklungsplan verordnete 1953 dem Platz mehrere Straßen, darunter die "kürzeste Autobahn ins Nichts" zwischen Rijksmuseum und Concertgebouw. Die Fläche nutzte man als Parkplatz für Autos und Massen von Touristenbussen, und Fußball konnte man auf den Kiesflächen auch nicht richtig spielen.

Generationen von Amsterdamern haben seit hundert Jahren über den "Museumplein" debattiert, der aber als Platz nie zu erkennen war. Im Norden steht das Rijksmuseum, von wo aus sich der Platz nach Süden auffächert, wo ihn die Van Baerle Straat mit dem Concertgebouw begrenzt. Im Westen liegen das Stedelijk Museum und das Van Gogh Museum, im Osten Villen mit Büros und auf der Ecke der Van Baerle Straat das hochgesicherte amerikanische Generalkonsulat.

Der Tatsache, dass der Museumplein kein Platz ist, hat nun der dänische Landschaftsarchitekt Sven-Ingvar Andersson Rechnung getragen. Im Auftrag des damaligen Teilstadtrates von Amsterdam-Süd gestaltete er über zwei Jahre lang mit dem Stadtplaner Stefan Gall den Platz als große grüne Fläche - und das ist Amsterdam gut bekommen. Auf der Seite von Stedelijk und Van Gogh Museum wurden zahlreiche Bäume entfernt, um die Museen, die alle mit ihrer Rückseite zum Platz liegen, stärker zu betonen.

Betritt man von Süden den Museumplein, liegt in weiter Ferne dominant das Rijksmuseum, auf das dieser Platz ursprünglich zugeschnitten war. Das Van Gogh Museum hat seit dem Sommer durch den Ergänzungsbau von Kishi Kurokawa entschieden dazugewonnen. Sein Neubau ragt nun wie ein Gartenpavillon auf den Platz. Man fragt sich, was hier so lange gestaltet wurde, denn auf den ersten Blick ist der Platz eine gigantische Rasenfläche, die auch in Zukunft als Versammlungs- und Demonstrationsort dienen soll. Zwei kleine Treffpunkte kristallisieren sich jetzt schon heraus. Das ist einmal der große Teich vor dem Rijksmuseum, der vom Winter 2000 an als Eisbahn genutzt werden soll. Links und rechts vom Teich hat Andersson zwei Pavillons platziert, die als Café und Museumsshop dienen. Von hier aus bietet sich ein prächtiger Blick über die große Rasenfläche zum Concertgebouw, das nun mit Kurokawas Bau in spannungsreichem Kontrast steht. Der andere Treffpunkt ist das sogenannte Triangel gegenüber dem Concertgebouw. Hier steigt der Rasen in einem spitzen Dreieck an, als ob jemand den Rasenteppich an einer Ecke gelupft und schnell etwas darunter gestopft hätte. Tatsächlich befindet sich hier der Eingang zu einem unterirdischen Parkhaus und einem Supermarkt, mit dessen Hilfe das Parkhaus teilfinanziert wird. Das hat in der Planungsphase heftige Diskussionen provoziert, dochseit der Eröffnung ist die schräge Rasenfläche ein beliebter Aussichtspunkt, der im Spätsommer mehr Sonnenhungrige angezogen haben soll als der Strand von Zandvoort.

Am anderen Ende der Van Baerle Straat liegt das amerikanische Generalkonsulat, mit dem man in zähen Diskussionen übereingekommen war, den Sicherheitszaun wieder zurückzudrängen. Die Seitenstraße, die hier vorbeiführte, ist in den Platz integriert und mit Sitzbänken aus Granit ausgestattet, die letztendlich nur hier in dem extra dafür angelegten Blumengarten mit dem Zigeunerdenkmal stehen, um Autos an der Durchfahrt zu hindern. Aus Sicherheitsgründen wurden auch noch einige Bäume in den Garten gepflanzt, um Wurfgeschossen den Weg zu versperren. "Die Diskussionen gingen bis zum Pentagon", sagt Karen Voors von der Stadtverwaltung, aber man habe sich schließlich durchgesetzt.

An der Ostseite des Platzes finden sich Baumreihen, das Denkmal für die Frauen von Ravensbrück, das man an diesem neuen Standort erst jetzt richtig wahrnimmt, sowie eine Skater-Bahn und Basketballplätze. Der Platz sollte eben allen Amsterdamern etwas bieten. Wie sehr er ursprünglich auf das Rijksmuseum hin geplant war, zeigen parallele Pflasterstreifen, die dann an der Van Baerle Straat und dem Concertgebouw überhaupt nicht mehr parallel laufen. Aber jetzt stellen Verbindungswege und eine Lichtlinie, die tagsüber der Tiefgarage Licht spendet, eine optische Verbindung zwischen Rijksmuseum und Concertgebouw her. Nun diskutiert man erregt, wie das Rijksmuseum, das im nächsten Jahr seinen 200. Geburtstag feiert, zum Platz hin geöffnet werden könnte. Der Tunnel quer durch das Gebäude wäre eine ideale Eingangshalle, doch ist diese Passage bei Fußgängern und vor allem Radfahrern sehr beliebt, und letztere hat man bei der Platzplanung bereits verprellt. Man hat nun einen wunderbaren Platz, der mitten im dicht bebauten Amsterdam Luft zum Atmen und Gefühl für Raum gibt, aber bisher zeigen ihm alle Kultureinrichtungen die Kehrseite. Ob das Stedelijk Museum mit seinem Ergänzungsbau des Portugiesen Alvaro Siza vorangehen wird, wenn es am Triangel baut, muss sich erst erweisen. Sicherlich wird man darüber in Amsterdam wieder lange diskutieren.

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