Zeitung Heute : Der Preis der Pillen

Rainer Woratschka

Die Krankenkassen wollen die Festbeträge bei der Zuzahlung für Medikamente abschaffen. Was kostet das die Patienten, wenn sie künftig zehn Prozent des Preises bezahlen müssen?

Wer selber von Ersparnissen profitiert, verhält sich preisbewusster. Mit diesem Argument stellen die gesetzlichen Kassen die frisch eingeführte Zuzahlungsregel für Medikamente in Frage. Immer zehn Prozent vom Preis sollten Patienten zahlen, berichtet „Focus“ unter Berufung auf ein internes Kassenpapier. Bisher zahlen sie für jedes verschreibungspflichtige Mittel mindestens fünf und höchstens zehn Euro – egal, wie viel es kostet.

Er sei „sehr dafür“, diese Mindestgrenze abzuschaffen, sagte der Chef der Techniker Krankenkasse, Norbert Klusen, dem Magazin. Dadurch steige der Anreiz, Preise zu vergleichen. Und wenn der Patient das günstigere Mittel wähle, spare nicht nur er, sondern auch die Kasse.

Andere Versicherer sind da vorsichtiger. Zwar nötigten „davon galoppierende Arzneipreise“ zum Überlegen. Doch ob sich ein Selbstbehalt ohne Ober- und Untergrenzen lohne, müsse man erst genau berechnen, heißt es. Die Idee ist auch nicht neu. Schon die CSU hatte auf zehnprozentigen Selbstbehalt gepocht – allerdings auch für ärztliche Behandlungen.

Es bleibe bei der bisherigen Regelung, sagte eine Ministeriumssprecherin: zehn Prozent des Preises, aber mindestens fünf und maximal zehn Euro. Bei der großen Masse der Arznei für 50 bis 100 Euro gebe es dadurch sehr wohl Anreize, zu günstigeren Mitteln zu greifen. Und die Ärzte seien ja auch zu wirtschaftlichem Verschreiben angehalten. „Wenn sie diese Pflicht erfüllen, haben wir eine gute Steuerung.“ Im Übrigen würden Patienten ohne Deckelung nach oben „unglaublich belastet“.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung indessen hält den Vorschlag für „prüfenswert“. Es gebe Hinweise, sagt Sprecher Roland Stahl, dass sozial Schwächere „vor den Zuzahlungen kapitulieren“ und seltener zum Arzt gingen. Bis sie ihre Zuzahlungsgrenze erreichten, seien sie oft überlastet. Falle die Fünf-Euro-Pauschale, bedeute dies frühere Entlastung. Denselben Effekt könne man aber auch einfacher erreichen: mit einer Zwölftelung der bisher jährlichen Zuzahlungsgrenze. „Aber das“, so Stahl, „wäre für die Kassen ein viel größerer Aufwand.“

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