Zeitung Heute : Der Preis geht hoch

Das Europaparlament hat am Dienstag Emissionsauflagen für den Flugverkehr beschlossen. Mit welchen Mehrkosten müssen Flugpassagiere rechnen?

Juliane Schäuble

Vier Jahre lang wurde diskutiert, gefeilscht und gerungen, nun steht der Kompromiss. In Zukunft werden alle Fluggesellschaften, die in Europa starten oder landen wollen, für den Ausstoß von Treibhausgasen zur Kasse gebeten. Das Europaparlament in Straßburg stimmte am Dienstag mit großer Mehrheit für die Einbeziehung des Luftverkehrs in den Handel mit Verschmutzungsrechten ab 2012. Zuvor hatten sich schon Vertreter der EU-Mitgliedstaaten, der EU-Kommission sowie des EU- Parlamentes auf den entsprechenden Kompromiss geeinigt.

Fachleute der Unternehmensberatung Ernst & Young gehen davon aus, dass bis zum Jahr 2022 Mehrkosten von insgesamt 65 Milliarden Euro auf die Branche zukommen werden, also 6,5 Milliarden pro Jahr. Damit steigen auch die Preise für Flugtickets, denn die Unternehmen werden versuchen, die Kosten an ihre Kunden weiterzugeben. Allerdings gehen die Schätzungen über die genaue Höhe auseinander. „Ein Flug von Frankfurt am Main nach Mallorca und zurück wird durchschnittlich um etwa sechs Euro teurer – vorausgesetzt, die Kosten werden zu 100 Prozent weitergegeben“, sagt zum Beispiel der Parlamentsberichterstatter für die neue Richtlinie, der CDU-Europaabgeordnete Peter Liese. Die EU-Kommission rechnet mit bis zu neun Euro, die für ein Hin- und Rückflugticket innerhalb Europas hinzukommen. Für Langstreckenflüge, zum Beispiel hin und zurück in die USA, könnten bis zu 40 Euro zusätzlich fällig werden.

Konkret sollen 2012 zunächst Emissionsrechte für 97 Prozent der CO2-Menge ausgegeben werden, die zwischen 2004 und 2006 von den Fluglinien ausgestoßen wurde. Zwischen 2013 und 2020 wird diese Obergrenze dann auf 95 Prozent reduziert. Dabei werden 85 Prozent der Zertifikate kostenlos zugeteilt, nur den Rest müssen die Unternehmen ersteigern. Die Kommission wollte ursprünglich 100 Prozent versteigern, konnte sich damit aber nicht durchsetzen. Die Auktionseinnahmen fließen den Mitgliedstaaten zu. Sie sollen diese für die Bekämpfung des Klimawandels verwenden, zum Beispiel indem sie die Entwicklung umweltfreundlicher Flugzeuge fördern.

Mit diesem System sollen die Fluggesellschaften dazu gebracht werden, ihren Ausstoß des klimaschädlichen Treibhausgases zu verringern. Mindern sie ihre Emissionen, können sie ihre restlichen Zertifikate verkaufen. Stoßen sie mehr aus, als ihre Menge an Zertifikate ihnen zugesteht, müssen sie Zusatzrechte kaufen.

Damit werden für den Flugverkehr zum ersten Mal Obergrenzen festgelegt, wie sie schon seit drei Jahren für die Industrie gelten. Besonders umweltfreundliche Fluggesellschaften wie die Lufthansa könnten von dem Handel profitieren, glaubt EU-Parlamentarier Liese. Vergeben werden die Zertifikate gemäß dem jeweiligen Passagier- und Frachtaufkommen. Seit 1990 hätten sich die CO2- Emissionen durch Flugzeuge mehr als verdoppelt, sagt Liese. Der Kompromiss sei daher „überfällig“ gewesen. Das Intergouvermentale Panel für Klimaveränderungen der Vereinten Nationen schätzt die durch die zivile Luftfahrt 2007 verursachten CO2Emissionen insgesamt auf 670 Millionen Tonnen – und geht von jährlichen Zuwachsraten von rund drei Prozent aus. Der Anteil des Luftverkehrs am Gesamtausstoß beträgt demnach gut zwei Prozent.

Lufthansa und Air Berlin kritisieren den EU-Beschluss jedoch als „Wettbewerbsverzerrung“. Dass nur der europäische Luftverkehr solche Abgaben leisten müsse, sei „ökologisch kontraproduktiv und ökonomisch schädlich“, sagt Lufthansa-Sprecher Peter Schneckenleitner.

Der deutsche Marktführer kalkuliert mit jährlichen Mehrkosten im „mittleren dreistelligen“ Eurobereich. Diese Summe werde dann aber jedes Jahr weiter steigen, sagt Schneckenleitner. Um welchen Betrag sich Flugtickets verteuern werden, könne man zurzeit noch nicht seriös angeben. „Doch Fakt ist: Mobilität wird teurer.“ Die „massiven Zusatzbelastungen“ müssten kompensiert werden. Für den Klimaschutz gebe es geeignetere Maßnahmen. So lasse etwa ein einheitlicher europäischer Luftraum, mit dem auf der Stelle zwölf Prozent CO2-Emissionen einzusparen wären, weiter auf sich warten. Allein die Lufthansa verbrauche täglich unnötig 500 000 Liter Kerosin, weil sie nicht direkt von A nach B fliegen dürfe.

Fraglich ist zudem, wie etwa die US- Fluglinien reagieren, wenn sie auf einmal von den Europäern zur Kasse gebeten werden. Die Chancen für ein weltweites Abkommen, für das sich die EU-Kommission nun einsetzen will, sind eher gering.

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