Zeitung Heute : DER PROVOKATEUR

„Literatur muss verstören, Ikonen stürzen, Tabus brechen“ – Etgar Keret setzt sein Motto radikal um: Eine seiner Geschichten beginnt mit „Gestern in der Nacht ist Rabin gestorben“, allerdings ist Rabin nicht der ermordete israelische Ministerpräsident, sondern ein Kater, der überfahren worden ist. In einer anderen wollen israelische Läufer einen deutschen zwingen, sie wegen des Holocaust gewinnen zu lassen. Solche Geschichten legt er immer seinen Eltern vor, seine Mutter überlebte das Warschauer Ghetto, sein Vater versteckte sich fast zwei Jahre lang in einem Erdloch vor den Nazis. Keret ist ein Chronist des israelischen Alltags, „wenn du morgens aufwachst, denkst du nicht: Wir müssen uns aus den besetzten Gebieten zurückziehen, sondern dass deine Freundin dich verlassen hat“. Er lebt mit Frau und Sohn, dessen Spitzname „Baby Mussolini“ ist, in Tel Aviv. Auf Deutsch erschienen u. a. „Pizzeria Kamikaze“, „Mond im Sonderangebot“ (beides Btb) und „Gaza Blues“ (Luchterhand). Zusammen mit dem palästinensischen Autor Samir El-youssef veröffentlichte Keret „Alles Gaza“ (Luchterhand).

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