Zeitung Heute : Der Qualitäts-Check

Staatlich geförderte Weiterbildung soll besser werden. Seit dem vergangenen Jahr nehmen Zertifizierungsstellen Bildungsanbieter und ihre Lehrgänge unter die Lupe

Silke Zorn

Mehr Wettbewerb und bessere Qualität in der staatlich geförderten Weiterbildung – das ist eines der Ziele der Gesetze für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt, besser bekannt als Hartz I bis IV. Für mehr Wettbewerb soll dabei vor allem die Einführung der Bildungsgutscheine sorgen. Mehr Qualität verspricht man sich von einem neuen Zulassungsverfahren: Bildungsträger und ihre Kurse werden von fachkundigen Stellen unter die Lupe genommen, bevor sie ihre Kurse im Bereich der staatlich geförderten Weiterbildung anbieten dürfen.

Geregelt ist dies in der Anerkennungs- und Zulassungsverordnung Weiterbildung (AZWV). Die stammt zwar bereits aus dem Sommer 2004. Doch erst im Mai 2005 wurden die ersten fachkundigen Stellen einberufen. Inzwischen sind es bundesweit 21 – genug, befand die Arbeitsagentur. Seit Jahresbeginn gilt die AZWV daher uneingeschränkt. An den fachkundigen Stellen führt künftig kein Weg mehr vorbei.

„Wir überprüfen sowohl den Träger, als auch die angebotenen Maßnahmen“, sagt Stefan Grunwald, Geschäftsführer der Berliner Zertifizierungsstelle Cert-it, die zu den ersten von der Arbeitsagentur anerkannten Stellen zählt. Nach welchen Kriterien die Prüfer dabei vorgehen, ist genau festgeschrieben. Verfügt der Anbieter über genügend finanzielle Mittel? Stimmen Räumlichkeiten und Personal? Werden Interessenten und Teilnehmer gut beraten? Außerdem muss der Bildungsträger über ein eigenes Qualitätssicherungssystem verfügen, muss sich und sein Angebot mit Hilfe eines standardisierten und allgemein anerkannten Verfahrens regelmäßig überprüfen. Weiteres Kriterium, um in die Riege der anerkannten Träger vorzustoßen: Der Anbieter muss sich gezielt darum bemühen, seine Teilnehmer nach Beendigung der Maßnahme in den Arbeitsmarkt zu vermitteln. „Je nach regionaler Arbeitsmarktsituation gibt es bestimmte Vermittlungsquoten, die erfüllt werden müssen“, erläutert Zertifizierungs-Experte Grunwald.

Dass der Anbieter überprüft und für gut befunden wurde, reicht allerdings nicht aus. Auch jede Maßnahme, die für Inhaber von Bildungsgutscheinen in Frage kommen soll, wird unter die Lupe genommen. Die Kursinhalte müssen fachlich korrekt und am Bedarf des Arbeitsmarktes orientiert sein. Ob das tatsächlich der Fall ist, müssen die Bildungsanbieter selbst herausfinden – durch intensiven Kontakt zu lokalen Arbeitgebern. Für Stefan Grunwald von Cert-it ist das eine klare Verbesserung. „Früher wurde der Bedarf durch die Arbeitsagenturen ermittelt und für längere Zeiträume festgeschrieben. Der Anbieter selbst kann sehr viel flexibler herausfinden, welche Maßnahmen angesichts der Arbeitsmarktlage in seiner Region Sinn machen.“ Außerdem müssen die Teilnehmer ein aussagekräftiges Zeugnis erhalten. Besonders wichtig ist das laut Grunwald bei Kursen, die nicht mit einer Prüfung vor der IHK oder einer anderen externen Prüfungsstelle abschließen.

Entspricht eine Maßnahme nicht den gestellten Anforderungen, kann auch kein anderer Kurs des betreffenden Anbieters im Bereich der geförderten Weiterbildung an den Start gehen. Binnen drei Monaten sind allerdings Nachbesserungen möglich. Drei Jahre behält die Zertifizierung eines Trägers ihre Gültigkeit, wird währenddessen allerdings jährlich überprüft.

Wer Glück hat und sich mit einem Bildungsgutschein in der Hand auf die Suche nach einem passenden Kurs machen kann, sollte sich nach alledem zuerst erkundigen, ob Träger und Maßnahme seiner Wahl überhaupt zertifiziert sind. In der Regel wird der Anbieter hierauf aber deutlich hinweisen. „Schließlich ist das ein wichtiges Marketinginstrument“, meint Stefan Grunwald. Mit den Anbietern, die sich bei ihnen um ein Zertifikat „bewerben“ haben er und seine Kollegen mehrheitlich gute Erfahrungen gemacht. Zwar müssten rund 30 bis 40 Prozent im Laufe des Zulassungsverfahrens noch nachbessern. Meist handele es sich dabei aber um Formalien und nicht um schwerwiegende Mängel des Bildungsangebots.

Dafür, dass die privaten Zertifizierungsstellen ihre Aufgabe gut und richtig machen, sorgt wiederum die so genannte Anerkennungsstelle der Arbeitsagentur. „Nur Einrichtungen, deren fachliche Kompetenz und Unparteilichkeit von uns festgestellt wurde, dürfen Zertifikate vergeben, “, sagt Olaf Möller, Sprecher der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur. So müssen auch die Zertifizierungsstellen – genau wie die ins Visier genommenen Bildungsträger – ein Qualitätssicherungssystem besitzen.

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