Zeitung Heute : Der radikale Aufbruch zu einer neuen Studienkultur hat begonnen

Die Humboldt-Universität bietet ihren Studierenden ein Bachelor- und Masterstudium mit studienbegleitenden Prüfungen und flexiblen Modulen

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Manche Ereignisse stellen tiefgreifende Zäsuren dar: Im Wintersemester 2002/03 werden sich, erstmals an der Humboldt-Universität, aber auch erstmals an einer deutschen Universität, Studierende der Sozialwissenschaften und der Erziehungswissenschaft in einem modernen Studiengang einschreiben: modularisiert, mit studienbegleitenden Prüfungen, mit Bachelor und Master als den neuen Abschlüssen, die in Zukunft den europäischen Standard darstellen. Die neuen Studiengänge – denen weitere im Sommer 2003 folgen – setzen dabei für die Universität nur fort, was in der Landwirtschaftlich-Gärtnerischen Fakultät inzwischen schon Alltag ist: Neue Studiengänge, neue Abschlüsse, klare Unterscheidung zwischen Berufsorientierung und der Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses, Modularisierung und Internationalisierung.

Die Studienreform wird dabei als systematische Antwort auf Defizite und als konstruktiver Entwurf einer besseren Zukunft von Lehre und Studium konzipiert. Die Form der Reform – konsekutive Studiengänge, neue Abschlüsse, konsequente Modularisierung und Modernisierung der Inhalte - folgt dabei den internationalen Vorbildern, in der konkreten Gestaltung entwickelt die Universität ihr eigenes Profil: Radikale Studienreform auch in den Fächern, die sich andernorts gegen Reform sperren; abgesichert in einem Prozess, der zweigleisig vorangetrieben wird, sowohl von unten, als Initiative der Fächer oder ganzer Institute, als auch von oben, auf Initiative der Hochschulleitung. Im Konsens zwischen Studierenden und Lehrenden sind dafür die Grundsätze der Studienreform formuliert worden.

Die Humboldt-Universität wird neue Studiengänge mit Bachelor und Master umfassend einführen. Zu den bestehenden Angeboten kommen 2003 zum Beispiel Geschichte, Japanologie, Philosophie, Historische Linguistik und Amerikanistik hinzu. Die Ausbildung junger Lehrer soll in diese neue Studienstruktur einbezogen werden, die auch die Naturwissenschaften erfasst. Das Studienangebot wird zu einem System von Erststudium und postgradualen Aufbaustudien, zum Beispiel in eigenständigen Promotionsstudiengängen und in der Weiterbildung ausgebaut. Neue Studiengänge und Lehrformen sind zu entwickeln, sowohl fachimmanent, wie in den Fernstudiengängen der Bibliothekswissenschaften (einmalig in Deutschland), als auch fachübergreifend wie mit dem Master in British Studies am Großbritannien-Zentrum, der Literatur-, Gesellschafts- und Rechtswissenschaften verbindet, oder hochschulübergreifend, zum Beispiel in den Naturwissenschaften, in Kooperation mit allen Universitäten der Region.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Internationalisierung des Studiums. Hier baut die Humboldt-Universität ihre Position mit den meisten Erasmus-Stipendiaten und mit einem breiten Angebot in fremdsprachlichen Rechtsstudien weiter aus. Schließlich steht eine kontinuierliche Leistungsüberprüfung an: Evaluation von kompletten Studiengängen und von Lehre in einzelnen Veranstaltungen, mit intensiver Beteiligung der Studierenden und ihrer Fachschaften. Die Studienreform ist also keine leere Floskel, trotz Unterfinanzierung und unsicheren Zukunftsperspektiven.

Die Universität versucht, die Studienreform in ein umfassendes Angebot der Beratung und Betreuung der Studierenden einzubinden. Wie alle Hochschulen bieten wir diesen Service für die Erstsemester und den Studienanfang. Gleichzeitig haben wir mit dem Career Center ein breites Angebot aufgebaut, um den Übergang vom Studium in den Beruf zu erleichtern: Es vermittelt Praktika ebenso wie den Berufseinstieg oder Qualifizierungsmaßnahmen für Bewerbung und Selbstpräsentation. Heinz-Elmar Tenorth

Der Autor ist Vizepräsident für Lehre und Studium der Humboldt-Universität.

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