• Der Reiseriese engagiert sich in besonderem Maß - auch geführte Rundgänge über das Ausstellungsgelände im Angebot

Zeitung Heute : Der Reiseriese engagiert sich in besonderem Maß - auch geführte Rundgänge über das Ausstellungsgelände im Angebot

Gerd W. Seidemann

Auch wenn es in Hannover noch nicht so aussieht: "Die Expo 2000 wird termingerecht fertig", da ist sich Norbert Gratzel ganz sicher. Für den Expo-Verantwortlichen bei der Touristik Union International (TUI) und sein Unternehmen wäre alles andere auch eine mittlere Katastrophe. Als "Platzhirsch" mit Firmensitz in der Messestadt und als Tochterunternehmen des Expo-Großsponsors Preussag zeigt der Reiseveranstalter nicht nur Flagge, sondern engagiert sich in großem Stil für die und auf der Weltausstellung vom 1. Juni bis 31. Oktober.

TUI hat sowohl in einem eigenständigen Katalog Pauschalpakete - allerdings ohne Anreise - für Expo-Besucher aufgelegt, als auch weitgehende Serviceaufgaben wie Ticketverkauf und Führungen auf dem Ausstellungsgelände übernommen. Die finanzielle Vorleistung seines Unternehmens beziffert Karl Born, Vorstandsmitglied der TUI Group und Vorsitzender der Geschäftsführung von TUI Deutschland, mit "35 bis 40 Millionen Mark". "Wenn das Ereignis Expo nicht in Hannover, also ein Heimspiel wäre, hätten wir uns wohl kaum engagiert", so Born. "Wir werden froh sein, wenn das Ergebnis etwas höher als der Einsatz ausfällt."

Das Expo-Bausteinprogramm präsentiert TUI auf 102 Katalogseiten. Dabei werden jedoch nicht nur die 140 Hotels vorgestellt, in denen der Veranstalter täglich 5000 Betten reserviert hat. Der Katalog darf auch gleichzeitig als Serviceheft gelten, in dem auf 30 Seiten dem potenziellen Besucher die bevorstehende Weltausstellung erklärt und - natürlich - schmackhaft gemacht werden soll.

Bei erwarteten rund 40 Millionen Besuchern in den fünf Expo-Monaten rechnet der Veranstalter damit, etwa 1,6 Millionen Gäste zu betreuen. Das wären rund acht Prozent der Gesamtbesucher. Die Kapazitätsgrenze bei zweistündigen Führungen liege bei etwa 10 000 Wissbegierigen pro Tag, rechnet Norbert Gratzel vor. Mehr sei nicht möglich und deshalb könne er nur dazu raten, eine Führung rechtzeitig zu buchen. "Das spontane Buchen von Führungen auf dem Expo-Gelände ist zwar prinzipiell möglich, aber hoffentlich schwierig", so Gratzel.

Geführte Rundgänge buchen

Auf dem 100 Hektar großen Ausstellungsgelände will die TUI mit bis zu 800 Mitarbeitern präsent sein. Die Bandbreite der geführten Rundgänge über das Ausstellungsgelände reicht von Orientierungsführungen über Themenpark-Führungen (je 25 Mark) bis zu ganztägigen VIP-Rundgängen für 555 Mark. Führungen werden für Tagesbesucher und Gruppen angeboten, aber auch für Rollstuhlfahrer, Taubstumme und Blinde.

Bei einer so genannten Kompaktführung bekommt man immerhin einen Überblick über das, was auf der Expo insgesamt geboten wird. Außerdem kann der Besucher vier verschiedene Themenpark-Führungen mit unterschiedlichen inhaltlichen Schwerpunkten buchen. Zum Beispiel beschäftigt sich eine dieser 120-minütigen Führungen mit den Themen "Mobilität - Zukunft der Arbeit - Wissen". Wenn eine Gruppe Spezialinteressen anmelde, werde sich die TUI auch bemühen, eine Führung maßzuschneidern. Im Auftrag der Expo-Gesellschaft hat der Veranstalter zudem die Aufgabe übernommen, unter dem Motto "Expo macht Schule" Führungen für Schüler anzubieten, die sich zuvor ein bestimmtes Thema im Unterricht erarbeitet haben und nun diesen Stoff in Hannover vertiefen möchten. Sondereingänge für TUI-Gruppen vermeiden längere Wartezeiten.

Die angebotenen Unterkünfte liegen in Hannover selbst oder in der näheren und weiteren Umgebung der Leinestadt. Harz, Weserbergland, Lüneburger Heide, ja auch in weiter entfernten Städten wie Hamburg, Bremen, Kassel und Berlin warten Betten auf Expo-Besucher. Ganz bequem und ohne den Hauch von ein paar Tagen Deutschland-Urlaub ist eine Übernachtung im "Express Hotel by Holiday Inn" gegenüber dem Expo-Eingang, das exklusiv bei TUI ab 159 Mark pro Person im Doppelzimmer zu buchen ist. Das "Sporthotel Apart" in Hannover bietet Familienzimmer für 99 Mark pro Person an. Eintrittskarten in verschiedenen Varianten können ebenfalls bei der TUI dazu gebucht werden. Preislich seien die Hoteliers in Hannover und Umgebung "im Rahmen" geblieben, lobt Karl Born. "Allerdings haben sich einige daneben benommen und unverschämte Preise gefordert. Sie sind nicht in unserem Katalog zu finden, und die habe ich mir auch für die Zeit nach der Expo gemerkt", wettert der TUI-Boss.

Zum Programm des Veranstalters gehören außerdem so genannte Highlights und dezentrale Projekte. So kann man bei "Expo by Night" mit der Seilbahn über dem Ausstellungsgelände schweben (ab 81 Mark) oder zusätzlich zum Expo-Ticket eine Stadtrundfahrt in Hannover beziehungsweise einen Besuch in den Herrenhäuser Gärten buchen. Weitere Ausflüge führen zum "Energie-Forum-Innovation" nach Minden-Nord und Bad Oeynhausen, zur Straße der Weser-Renaissance und an das Steinhuder Meer sowie zur Dasa nach Bremen. Für die Anreise zur Expo rät nicht nur TUI vom Auto ab. Als Alternativen werden der öffentliche Nahverkehr und der Bustransfer empfohlen, der bei den Katalogangeboten dazu gebucht werden kann. Ohnehin berechtigt jede Expo-Eintrittskarte zur freien Nutzung des Nahverkehrssystems in Hannover und Umland. Auskunft gibt es im Internet unter www.tui-expo.de , der Katalog sollte in jedem TUI-Reisebüro erhältlich sein.

Noch läuft der Kartenvorverkauf für die Expo eher schleppend. Viele interessierte Besucher mögen sich nicht damit anfreunden, dass sie sich auf einen bestimmten Tag des Besuchs vorher festlegen müssen. "Anders ist es jedoch organisatorisch gar nicht zu bewältigen", bricht Norbert Gratzel eine Lanze für die arg gescholtenen Organisatoren der Expo. "Auf dem Gelände finden maximal 400 000 Besucher gleichzeitig Platz, mehr sind behördlich gar nicht zulässig." Wer sich den vergeblichen Trip nach Hannover sparen wolle, sei besser beraten, sich für einen bestimmten Tag den Eintritt zu sichern. Bisher sind erst 1,6 Millionen der geplanten 40 Millionen Tickets verkauft worden, bestätigte eine Expo-Sprecherin jetzt in Hannover. Das Vertriebsnetz sei daher in Norddeutschland um zusätzliche Vorverkaufsstellen in der Region erweitert worden. Expo-Eintrittskarten gebe es auch weiterhin über die Callcenter-Telefonnummer 0 2000, in Reisebüros, in den Reisezentren der Deutschen Bahn, in den Postfilialen und über das Internet.

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