DER RINKE-FRAGEBOGEN : Wir können die Welt verändern!

Diesen Fragebogen hätte auch Marcel Proust gleich zwei Mal ausgefüllt. Für die SPIELZEIT hat der Dramatiker Moritz Rinke brandneue Fragen erdacht.

Diesmal antwortet NILS LANDGREN. Der Jazzmusiker wird

wegen seiner auffälligen roten Posaune auch Mr. Red Horn

genannt. Landgren entstammt einer musikliebenden Familie. Von 1972-78 studierte er klassische Posaune und wechselte dann zum Jazz. Der umtriebige Schwede ist ein immens vielseitiger Musiker: Er fühlt sich in der swingenden Jazztradition wie in der eher kammer-jazzig geprägten europäischen Moderne gleichermaßen zu Hause. Seine Leidenschaft aber ist der Funk. Mit seiner Band Funk Unit, die hochkarätige Mitstreiter vereint, spielt er in erster Linie „for those who like to party“. 2001 wurde Landgren zum ersten Mal zum künstlerischen Leiter des JazzFest Berlin berufen; nun tritt er erneut an: Nils Landgren wird die kommenden drei Ausgaben programmatisch prägen. Das JazzFest Berlin ’08 präsentiert Musiker unterschiedlicher Stilrichtungen. „Die Künstler durch ihre Musik sprechen lassen“ – so lautet Landgrens Motto für dieses Jahr. (5.–9.11.)

1. Wenn Sie sich eine (künstlerische) Wahlverwandtschaft wünschen könnten: Wen hätten Sie dann als Mutter? Vater? Geschwister? Kinder?

Das habe ich ja schon: Meine Mutter ist die Begabteste in unserer Familie und mein Vater spielt mit 91 immer noch sein Kornett mit eigener Jazzband, also kann ich mir nichts Besseres wünschen. Aber sonst hätte ich gerne Miles Davis als Vater und Naomi Campbell als Mutti. Oh wie schön würde ich dann aussehen!

2. Hatten Sie als Kind einmal ein richtiges Idol?

Erst meinen Papa, danach The Beatles und Otis Redding.

3. Was schätzen Sie an einem Menschen am meisten?

Humanität, Ehrlichkeit und Humor.

4. Was kann Sie wirklich überraschen?

Wenn Leute plötzlich böse werden, die früher Freunde waren.

5. Haben Sie einen Tick? Und welchen?

Ich halte immer meine Finger vor'n Mund, wenn ich rede – hat vielleicht mit meinem Posaunen- Embouchure zu tun.

6. Was können Sie überhaupt nicht?

Klavier spielen, oder Gitarre. Schade.

7. Ihre größte Fähigkeit?

Ich kann Posaune spielen und ein bisschen singen. Vielleicht bin ich auch gut darin, neue Ideen zu entwickeln, wenn es um die verschieden Facetten von Musik geht.

8. Was an einer Frau oder einem Mann hat Sie am häufigsten verführt?

Es können ja so viele verschiedene Sachen sein. Schöne dunkle Augen, herrliche Kurven, die Beine sind sehr wichtig, und warum nicht ein strahlendes Lächeln? Ich rede über Frauen.

9. Was – wenn überhaupt – schätzen Sie an Ihren Gegnern?

Ich bin nicht so sicher, wer meine Gegner sind, aber die gibt's natürlich, ganz klar. Aber die Frage ist ja, muss ich das schätzen?

10. Welche Position würden Sie in einer Fußballmannschaft einnehmen?

Leider keine, der Trainer würde mich nie spielen lassen.

11. Macht die Kunst den Künstler eigentlich zum besseren oder schlechteren Menschen? Kurze Gründe!

Wir sind nicht besser, wir sind nur anders. Aber ich bin überzeugt, dass die Kunst uns alle als Menschen besser macht!

12. Wobei fühlten Sie sich das letzte Mal erwischt?

Jeden Tag, wenn ich glaube, dass ich gar nichts kann und gar nichts weiß ...

13. Auf welchen Gegenstand könnten Sie nicht verzichten?

Vielleicht soll man sie nicht als Objekt sehen, aber auf meine Frau kann ich nicht verzichten!

14. Auf wessen Party wären Sie gern mal zu Gast? Warum?

Barack Obamas Inauguration Ball, das wäre was!

15. Was wäre für Sie die berufliche Alternative?

Gibt's leider keine, sorry, versuchte mal, was anderes zu tun, ging aber nicht. Musik ist für mich alles, was ich kann und was ich will.

16. Ihr größter Traum?

Dass Geiz nicht mehr geil ist. Dass wir alle endlich mal zusammenleben dürfen, ohne Gewalt und ohne Hass, sondern mit Verständnis für die Menschen, die nicht wie wir aussehen oder die eine andere Kultur vertreten. Wir sind ja alle Immigranten, lasst uns das nie vergessen. Wir haben immer noch die Chance, die Welt zu verändern. Lasst uns ab jetzt zusammenarbeiten, für ein besseres Leben, für alle auf dieser Welt. DAS IST MEIN TRAUM.

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