Zeitung Heute : Der Schauspieler erlag mit 52 Jahren einem Krebsleiden

Michael Burucker

Im Februar letzten Jahres war es, als an dieser Stelle des plötzlichen Todes von Heinz Schubert alias "Ekel Alfred", gedacht werden musste. So präsent und nahezu unsterblich wie Schuberts Tetzlaff erschien uns da auch sein schlaksiger Schwiegersohn, den Diether Krebs in dieser ersten deutschen "Sitcom" von Wolfgang Menge spielte. In "Ein Herz und eine Seele" trat er zum ersten Mal in Erscheinung und traf alle, die sich gegen irgendeinen rückwärts gewandten, militaristischen, chauvinistischen Ekel Alfred Doch war der Rebell im Unterhemd, der bei aller Distanz zum Schwiegervater mit ihm problemlos die Bierflasche teilen konnte, kein mit Marx-Zitaten um sich werfender Soziologiestudent. Der Figur, die nach Menges SPD-Romantik ein fortschrittlicher Proletarier und "Sozi" zu sein hatte, gab Diether Krebs, selbst aus Essens Arbeitermilieu stammend, den Nimbus des mit trockenem Humor gesegneten, ständig aufbegehrenden und potentiell aufrührerischen Pott-Proleten. Ein früher Schimanski, der statt der Muskeln sein Mundwerk betätigte. Als die Serie eingestellt wurde, hörte man erst einmal nichts mehr von Diether Krebs. Dann sah man ihn auf einmal, fülliger geworden, immer häufiger auf dem Bildschirm. Zwischen 1977 und 1984 spielte er in über 100 Folgen den Kommissar in der ZDF-Serie "Soko 5113" und wirkte durchaus ernsthaft in anderen TV-Reihen mit. Der Drang zur Satire aber blieb und bald sah man Diether Krebs, sehr füllig geworden, in "Sketchup" oder "Voll daneben", den ARD-Vorläufern der heute unzähligen Comedy-Serien. Wieder einmal war Krebs zu früh dran. Mit Iris Berben oder Beatrice Richter spielte er gnadenlos alberne Sketche, deren pointenfreien Aberwitz erst das heutige Comedy-Publikum so recht zu schätzen weiß.

Mit seinem Blödel-Hit "Ich-bin-der-Martin-nä" kam er ausnahmsweise mal nicht zu früh. Parodien auf den alternativen Spießer im selbstgestrickten Pullover trafen 1991 auf linke Selbstbesinnung, doch die Parodie auf alles und jedes war da bereits im Vormarsch. Nichtsdestotrotz wurde Krebs als Parodist der Müsli-Kultur gefeiert. "Sketchup" wurde - erfolglos -, von der ARD auf verjüngter Basis zu kopieren versucht, seine eigenen Comedy-Versuche wie "Der Dicke und der Belgier" (Sat 1) fanden bei den Jüngeren nicht mehr den erwünschten Erfolg. Doch bei aller Ulknudelei war Krebs ein phänomenaler Schauspieler. Einmal zumindest, in einer Folge des ARD-"Polizeiruf", konnte er dies unter Beweis stellen. An der Seite von Inge Meysel spielte er einen durchgeknallten, kraftprotzenden russischen Panzer-Kommandeur so barock, dass man hingerissen zweimal hinschauen musste, um Diether Krebs zu erkennen. Am Mittwoch erlag er, 52-jährig, einem Krebs-Leiden.

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