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Der Tagesspiegel

Die Kultusministerkonferenz hält endgültig an dem neuen Verfahren zur Genehmigung von Studiengängen durch Akkreditierung fest. Bisher wurden die traditionellen Studiengänge mit dem Diplom- oder Magisterabschluss von den Lä nderministern genehmigt. Voraus ging ein langer Abstimmungsprozess mit der Hochschulrektorenkonferenz. Viele Studieninhalte waren aber bereits zu dem Zeitpunkt veraltet, als die Genehmigung nach Jahren endlich erteilt wurde. Diese Erfahrung hat dazu geführt, dass schon vor Jahren für die neuen Studiengänge mit den Bachelor- und Masterabschlüssen nach ausländischem Vorbild ein Akkreditierungsverfahren eingerichtet wurde. Experten aus der Wirtschaft, der Wissenschaft und des Staates wirken in dem Akkreditierungsrat auf nationaler Ebene zusammen. Der nationale Rat, der der Kultusministerkonferenz zugeordnet wurde, erteilt Einzelaufträge zur Bewertung und Genehmigung neuer Studiengänge an Agenturen.

Dieses Verfahren ist jetzt endgültig von der Kultusministerkonferenz gesichert worden. Aber die Kultusminister verstärken jetzt im nationalen Akkreditierungsrat den Einfluss des Staates: Künftig sollten dem Akkreditierungsrat vier Vertreter der Hochschulen, benannt von der Rektorenkonferenz, vier Vertreter der Länder, benannt von der Kultusministerkonferenz, vier Vertreter der Berufspraxis (Arbeitgeber und Gewerkschaften), zwei Vertreter der Studenten und zwei internationale Experten angehören. Alle erhalten das gleiche Stimmrecht.

Die Kultusministerkonferenz hat eine weitere wichtige Entscheidung getroffen: Die Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen, deren Auflösung wiederholt von Politikern gefordert wird, bleibt erhalten. Aber bei der Zulassung von Studenten in Studiengängen mit einem Numerus clausus bekommen die Hochschulen ein größeres Auswahlrecht als bisher. Bisher wurden nur 20 Prozent der Studienbewerber nach Auswahlgesprächen von den Hochschulen zugelassen. Die ZVS wies 55 Prozent der Bewerber nach den Abiturleistungen und 25 Prozent nach der Wartezeit den Hochschulen zu. Künftig sollten 24 Prozent nach den Auswahlgesprächen eine Studienchance erhalten. Damit das Hochschulverfahren nicht ins Leere läuft, gibt es eine weitere Neuerung: Werden Studienbewerber nach den Auswahlgesprächen von der Hochschule abgelehnt, dann sollen sie im Nachrückverfahren von der ZVS nur noch an einer anderen Hochschule zugelassen werden.

Im Herbst wollen die Kultusminister über weitere Änderungen. Einzelne Hochschulen oder Länder könnten dann eine höhere Quote für die Auswahl durch die Hochschulen erproben.

Uwe Schlicht

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