Zeitung Heute : Der Schub kam in der Elften

David Winkelmann interessiert sich für Flugzeuge – ein ausgezeichnetes Abiturthema.

So sehen Sieger aus. David Winkelmann (18) von der John-F.-Kennedy-Schule wurde mit einem der diesjährigen Dr.-Hans-Riegel-Fachpreise für hervorragende Lernleistungen ausgezeichnet. Foto: FU Berlin
So sehen Sieger aus. David Winkelmann (18) von der John-F.-Kennedy-Schule wurde mit einem der diesjährigen...

Zwischen den Bäumen leuchtet der blaue Himmel, auf dem ein Flugzeug einen dicken weißen Kondensstreifen zurücklässt. Es ist einer der ersten sommerlichen Junitage in diesem Jahr. Im grünen Dahlem am Rande Berlins sitzt David Winkelmann. Der Abiturient der John-F.-Kennedy-Schule (JFKS) trägt rote Shorts und ein hellblaues Shirt. Unter dem Blätterdach eines Biergartens schaut er gen Himmel. „Ich kann jeden Flugzeugtyp auswendig“, sagt er und lacht. Denn alles was Abheben kann, ist absolut sein Ding.

Beeinflusst wurde er durch seinen Vater, der bei einer großen Fluggesellschaft beschäftigt ist. Manchmal geht David Winkelmann sogar zusammen mit seinem Vater einfach so zum Flughafen, um sich Flugzeuge anzugucken. „Es ist sehr harmonisch, wir interessieren uns beide für Luftfahrt und wir haben auch die ganzen Luftfahrtmagazine zu Hause“, saht er. Die „Aero“ zum Beispiel oder „Flug-Revue“, die liest David mit Vorliebe.

Das so über die Jahre angehäufte Wissen über die Luftfahrtindustrie wollte er nutzen und entschied sich, in seinem Abitur über dieses Gebiet zu schreiben. Sein Thema beschäftigte die Medien und die Stadt in den letzten Jahren intensiv: Es geht um den neuen Flughafen Berlin Brandenburg. „Mein Interesse für die Luftfahrt habe ich mit diesem Thema dann verbunden.“

In seiner sogenannten Besonderen Lernleistung mit dem Titel „Flughafen Willy Brandt (BER) – Eine Erörterung der wirtschaftlichen Signifikanz des BER für das Umland aus wirtschaftsgeographischer Sicht“, fand er unter anderem heraus, dass der Flughafen in den nächsten Jahren eine Kostenfalle bleiben, aber langfristig betrachtet viele Vorteile bringen wird. So werden innerstädtische Flächen frei; durch die Schließung der Flughäfen Tempelhof und Tegel, werden insgesamt innerstädtische Gebiete von Fluglärm erheblich entlastet. Für diese Arbeit erhielt David den dritten Platz des Dr.-Hans- Riegel-Fachpreises in Geografie.

Dass er einmal so durchstarten würde, hätte er sich vor drei Jahren noch nicht zugetraut. Er lächelt. „Meine Eltern sind auch ganz erstaunt darüber, dass ich so ein gutes Abitur gemacht habe.“ Ungefähr bis zur achten Klasse lief es in der Schule gar nicht gut für David. „Ich hab’ immer meine Hausaufgaben gemacht, ich war immer fleißig, aber ich hatte nie Bock auf Schule, weil meine Noten nicht besonders gut waren.“ In der elften Klasse bekam er plötzlich einen Motivationsschub und wurde besser. „Ich glaub’, ich hab mich persönlich einfach weiterentwickelt.“

Vor drei Jahren hatte der Junge mit dem braunen Wuschelkopf und den Sommersprossen auf der Nase sogar das Glück, einen der letzten Starts des Space Shuttles Discovery in Cape Canaveral in Florida sehen und spüren zu können. „Ich fühlte ein Knistern an meinem Bein“, sagt er und kann sich nicht erklären, was das war, was er da wahrgenommen hat. Wenn er die Möglichkeit hat, hört er sich auch Vorträge von Raumfahrern an. Das fasziniert ihn. Am Steuer eines kleinen Propellerflugzeuges konnte er auch schon sitzen, ein Privileg, wie er findet.

Das Blätterdach wirft erste Schatten. Er versuche auch Herausforderungen anzunehmen, auch wenn es nicht immer angenehm sei. Viele Entscheidungen seien ihm bisher immer selbst überlassen worden. Jetzt, nach dem Abitur mit der Durchschnittsnote 1,4 stehen ihm viele Türen offen. Und die erste, die er öffnen möchte, ist die zu einem BWL-Studium in England oder Schottland. Sprachlich dürfte Winkelmann dafür bestens gerüstet sein: An der JFKS wird in deutscher und englischer Sprache unterrichtet.

Jetzt schaut er ernster. „Ich hab mich in den vergangenen Jahren eher für Wirtschaft interessiert.“ Pilot möchte er erst einmal nicht werden. Sein Traum wäre es einmal mit seiner Schwester ein eigenes Unternehmen zu gründen.

Sein Vater sage ihm auch immer „Man entscheidet sich, aber es ist nix festgelegt.“ Das im Hinterkopf zu haben, findet er wichtig.

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