Zeitung Heute : Der "Schuldige"

Daß sehr viele Menschen "seine" Programme noch benutzen, glaubt der Informatiker Manfred Kabisch zwar nicht.Doch sicher ist der heutige IBM-Mitarbeiter keineswegs, und so ist es nicht unmöglich, daß irgendwo noch von Kabisch kreierte Software mit dem verhängnisvollen zweistelligen Datumsformat in Gebrauch ist.Kabisch hat 1975 in Dortmund zu studieren begonnen und erste Programme geschrieben, die bald nicht mehr nur für den Daten-Papierkorb bestimmt waren, sondern auch in der Praxis eingesetzt wurden."Der Hauptgrund für das kurze Datum waren die immensen Kosten für den Speicherplatz.Damals kostete ein Megabyte Speicher 1000 Mark, heute sind es nur noch zwei." Erst effektivere Fertigungsmethoden bei den Speicher-Herstellern hätten ein Sinken der Preise ermöglicht."Bis Ende der 70er Jahre hat man auch noch Lochkarten als Speicher benutzt, die hatten 80 Stellen und waren ein gängiges Medium.Da mußte man haushalten."

Doch die teure Hardware war es nicht allein, die die Programmierer bewog, die "19" vor der Jahreszahl zu sparen."Wenn sie keine exakte Vorgabe haben, dann nehmen sie das, was sie gewohnt sind.In der Umgangssprache sagt man nun mal 99 und nicht 1999.Außerdem wurde damals von einer Nutzungsdauer der Programme von fünf bis acht Jahren ausgegangen.Da hat sich niemand groß Gedanken gemacht." Betroffen sind Großsystem-Sprachen wie Cobol, Assembler, Fortran oder C.Seit 1982 ist Kabisch in München bei IBM, hat seitdem auch keine Programme mehr selbst geschrieben.Zusammen mit weiteren Kollegen koordiniert er heute die Service-Aktivitäten der deutschen Niederlassung von "Big blue" - für das Jahr-2000-Problem.Kabisch: "Wir analysieren Software, stellen sie um auf das vierstellige Datumsformat und testen sie."

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