Zeitung Heute : Der Senat auf der Suche nach den Wünschen der Bürger

Der Tagesspiegel

Die Pförtnerin im Friedrichshainer Bürgeramt am Bersarinplatz ist belustigt: „Eine Befragung? Von Kunden? Bei uns?“ Davon wisse sie nichts. Auch die Kassiererin in der Kreuzberger Meldestelle ist überrascht. „Fragebö gen? Nicht bei uns!“ Dabei sollten die sie schon seit zwei Wochen in den Berliner Bürgerämtern ausliegen. Unter Anleitung der Senatsverwaltung für Inneres sollen die Bezirksämter damit herausfinden, was der Bürger wirklich will.

Mit der Befragung wollen Bürgerämter und Bezirke ermitteln, welche Anliegen die Bürger ins Amt geführt haben und wie sie die Qualität der Beratung beurteilen. Weiter wird der Bürger in den Fragebögen, die die Senatsverwaltung in sechs Sprachen übersetzen ließ, danach gefragt, wie lange er warten musste, welche Öffnungszeiten er gern hätte und wie ihm die Athmosphäre im Amt gefalle.

Die Resonanz in den Bezirken ist unterschiedlich. Während der Bezirk Charlottenburg 10 000 Formulare drucken ließ und sie jedem Bürger mit der Wartenummer über den Tresen reicht, sucht man in anderen Ämtern vergeblich danach. Der Bezirk Reinickendorf hat mit der Befragung, die amtsintern auch als Kundenmonitor bezeichnet wird, noch gar nicht angefangen. „Ich kann diese Befragungen nicht mehr ernst nehmen“, sagt der Reinickendorfer Stadtrat für Bürgerdienste, Frank Balzer (CDU). Diese sei schon die dritte innerhalb von vier Jahren. Große Überraschungen werde auch diese nicht bringen. Natürlich wolle der Bürger freundliche Beamte und lange Öffnungszeiten. Das lasse sich aber nur mit ausreichend Personal umsetzen. „Meine Mitarbeiter sind zur Zeit vollkommen damit ausgelastet, ihre durch die Bürgerämter entstandenen neuen Aufgaben zu erfüllen.“ Dennoch werden ab dieser Woche auch in den Reinickendorfer Ämtern Fragebögen ausliegen.

Noch bis zum 15. März können die Bürger ihre Meinung über die Berliner Ämter kundtun. Dann sollen die Fragebögen in den Bezirken ausgewertet und Vorschläge erarbeitet werden, die dann zeitnah umgesetzt werden sollen. Ob den Bezirken dann je nach Befragungsergebnis mehr Personal zur Verfügung gestellt wird, ist in Anbetracht der Haushaltslage fraglich. „Aber wenigstens können wir den Politikern dann schwarz auf weiß vorlegen, was die Bürger wünschen“, sagt der Projektleiter für Bürgerdienste in der Sentsverwaltung, Karl-Heinz Wiemer.akl

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