Zeitung Heute : Der Sicherheits-Tipp: Auch auf der rechten Spur darf gefahren werden

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Knapp 5000 Kilometer sind wir in den vergangenen zwei Wochen auf europäischen Fernstraßen unterwegs gewesen - deutschen, französischen, österreichischen, italienischen und spanischen vor allem. Das bedeutete viel Anschauungsunterricht nicht nur über die von Land zu Land ganz spezifischen Fahrweisen, sondern auch zu ebenso typischen Fahrfehlern. Das bietet, kurz vor dem Beginn der ersten großen Reisewelle zu Ostern, gute Gelegenheit für einige Fahrtipps, mit denen das Miteinander auf den vor allem in Deutschland oft erheblich überlastenen Strecken ein wenig erträglicher und damit auch sicherer wird.

Am anstrengendsten, so das Fazit der soeben gemachten Touren, ist das Fahren übrigens in Deutschland - dem einzigen Land, in dem das Autobahntempo nicht limitiert ist, was offenbar viel zu viele Autofahrer glauben lässt, sie müssten die schnellsten sein, auch wenn die Fahrleistungen ihres Autos und ihr Fahrkönnen deutlich dagegen sprechen. Und so hängt man dann immer wieder über viele Kilometer auf einer voll besetzten linken Spur, auf der sich die Autos mühsam an rechts fahrenden Lastern vorbeiquälen, weil ein Autofahrer an der Spitze der Kolonne auf der linken Spur mit Tempo 110 nach dem Überholen der mit größerem Abstand fahrenden Laster partout nicht auf die rechte Spur zurückkehrt.

So wird aus der an sich schnellen Autobahn ganz schnell eine Straße, auf der man viel zu oft nur sehr viel langsamer vorankommt, als auf den tempobegrenzten süd- und westeuropäischen Autobahnen, bei denen allerdings auch die recht hohen Autobahngebühren ihren Beitrag dazu leisten, dass sie nicht so extrem überfüllt sind wie unsere Strecken, auf denen sich oft der mit Langstrecken unerfahrene Nahverkehr mit dem Fernverkehr mischt.

Dennoch - wer auf der Autobahn überholt hat, sollte danach zügig auf die rechte Fahrbahn zurückkehren, um den Autofahrern, die nun einmal schneller sind, Platz zu machen, die dann ihrerseit auch wieder rechts fahren sollten, sobald das möglich ist, damit noch schnellere links den Platz haben, den sie brauchen. Und mit ein wenig vorausschauender Fahrweise, zu der auch der regelmäßige Blick in den Rückspiegel gehört, kann man sich dann meist problemlos zum nächsten Überholmanöver wieder auf den linken Fahrstreifen einordnen.

Aber bitte nicht in der heute immer öfter zu beobachtenden Form, dass man lediglich den Blinker setzt und dann ohne Rücksicht auf den nachfolgenden Verkehr nach links wechselt und damit sehr viel schnellere Fahrzeuge zu kräftigen Bremsmanövern zwingt. Zugegeben, es verlangt schon ein wenig Routine, beim Blick in den Rückspiegel das Tempo des nachfolgenden Verkehrs abzuschätzen und die Lücke für den eigenen Fahrspurwechsel zu erkennen. Aber das muss man beherrschen oder sehr schnell lernen, wenn man auf Schnellstraßen ohne Tempolimit unterwegs ist und nicht zu einem Verkehrshindernis oder einer Gefahr für die schnelleren Verkehrsteilnehmer werden möchte, die durchaus das Recht haben, dort auch schnell zu fahren. Und auch, wenn sie das oft sogar schneller tun, als es erlaubt ist, sollte man sich nicht anmaßen, in Oberlehrermanier den Erzieher zu spielen.

Sehr viel einfacher zu lernen ist es sicher, dass auch sonst der rechte Fahrstreifen viel mehr benutzt werden kann. Wie oft erlebt man, dass auf dreispurigen Autobahnen auch an Wochenenden, an denen nur sehr wenige Laster unterwegs sind, Autofahrer mit weniger als Tempo 100 auf der mittleren Spur fahren und sich links Schlangen bilden, um an solchen Langsamfahrern vorbei zu kommen. Niemand verbietet, dass man auch auf Schnellstraßen mit gemessenem Tempo fährt - aber bitte nicht auf Kosten anderer, die dadurch behindert werden. Wer gemächlich durch die Landschaft fahren möchte, sollte die Autobahn verlassen, denn dort sind ausgesprochene Langsamfahrer ein erhebliches Sicherheitsrisiko.

Viele Staus, die uns auf unseren Autobahnen immer wieder blockieren, sind sicher auf starke Überlastung dieser Schnellstraßen zurückzuführen. Doch mancher dieser Staus wäre durchaus vermeidbar, wenn sehr viel mehr Autofahrer auch die für diese Straßen geltenden Regeln und Fahrtechniken beherrschten und anwendeten. Und da gibt es bei vielen doch erhebliche Defizite und in Deutschland offenbar bei vielen auch starke Neidgefühle gegenüber schnelleren Autofahrern.

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