Zeitung Heute : Der Sicherheits-Tipp: Gefährliche Geschosse aus harmlosen Geschenken

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Das Glatteis, vor dem wir in der vergangenen Woche warnten, dürfte uns in den nächsten Tagen angesichts des extrem milden Wetters kaum zu schaffen machen. Aber gerade weil bei unproblematischen Straßenverhältnissen dann recht zügig gefahren wird, wird eine andere Unart zu einer extrem großen Gefahr: das Ablegen von Einkäufen, zu denen man in diesen Wochen besonders oft unterwegs ist, auf der Hutablage oder der Kofferraumabdeckung.

Zugegeben, es ist bequem, wenn man die verschiedenen Tüten und kleinen Päckchen einfach dort ablegt. Doch viele unterschätzen das Risiko, das damit verbunden ist. Muss man nämlich einmal kräftig auf die Bremse treten, dann werden nach den Gesetzen der Trägheit aus solchen achtlos abgelegten Gegenständen gefährliche Geschosse, die mit hoher Geschwindigkeit nach vorne fliegen. Ein schweres Buch, eine Flasche, ein scharfkantiger Karton können getroffene Fahrzeuginsassen erheblich verletzen oder gar die Frontscheibe durchschlagen. Also: Einkäufe entweder auf den Fahrzeugboden oder besser in den Kofferraum, auch wenn es etwas mehr Mühe macht.

Bei Limousinen ist die größte Gefahr damit gebannt. Anders sieht es allerdings bei Kombis und Großraumlimousinen aus. Denn ihr verlockend großer variabler Laderaum verleitet dazu, nur schnell einmal die Heckklappe zu öffnen und selbst schwere Dinge ohne große Überlegung hineinzustellen.

Das allerdings ist alles andere als ungefährlich. Denn wenn man die Ladung nicht vernünftig verstaut und sichert, dann droht schon bei dem nächsten kräftigen Bremsmanöver - und die sind im dichten Stadtverkehr heute ziemlich oft nötig - große Gefahr. Nicht nur für die Ladung selbst, die dabei schnell zu Bruch gehen kann, sondern leider auch für die Passagiere auf den Sitzen vor dem Ladeabteil. Deshalb sollte man beim Verstauen insbesondere schwerer Ladung stets ein paar Gesetze der Physik beachten.

So mag es zwar sehr bequem sein, einen knapp 20 Kilo schweren Getränkekasten einfach hinter der Ladekante abzustellen. Doch das ist extrem gefährlich. Denn bei einer Gefahrenbremsung fliegt der Kasten dann mit der Kraft vieler Zentner wie ein schweres Geschoss nach vorne, prallt auf die Rückbanklehne, drückt sie eventuell nach vorne, wenn sie nicht ausreichend gesichert oder nicht ausreichend stabil ist und bricht den vorne sitzenden Passagieren im Extremfall, etwa einem Auffahrunfall, das Genick - denn bei einem Auffahrunfall mit Tempo 50 hat der nach vorne fliegende Kasten die Gewalt von einer Tonne.

Damit Ladegut bei scharfen Bremsmanövern, schneller Kurvenfahrt oder Unfällen nicht so stark beschleunigt werden kann, sollte es so verstaut werden, dass es bei diesen Manövern möglichst an Ort und Stelle bleibt - also so nah wie möglich an die sicher eingerastete Rückbanklehne gerückt oder davor liegendes Gepäck geschoben werden. Muss man mehrere Gepäckstücke verstauen, dann sollten die stets aneinander geschoben werden und Staulücken vermieden werden. Kleinere Einzelteile gehören am besten in Staukisten. Außerdem können auch Spanngurte und Netze, die an den heute bei den meisten Kombis und Minivans vorhandenen Verzurrösen verankert werden, dazu beitragen, die Ladung zu sichern.

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