Zeitung Heute : Der Sicherheits-Tipp: Haben Sie auch Müll statt Mull im Kasten?

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Eine ganze Weile war der blaue Kombi mit der Beule und den Rostflecken am linken hinteren Kotflügel bereits vor uns gefahren. Doch plötzlich fing er an zu schlingern, schaukelte sich, schneller als man es glauben wollte, auf und der Fahrer verlor die Kontrolle über ihn. Denn Sekunden später verließ er die Straße, holperte durch einen zum Glück nicht zu tiefen Straßengraben und kam nach einem gewaltigen Satz mit splitternder Frontscheibe auf der Wiese zum Stehen.

Schnelle Hilfe war angesagt. Mit ein paar Sprüngen waren wir beim verunglückten Fahrzeug, dessen Passagiere erschrocken und leicht benommen zu uns blickten. Der Fahrer blutete heftig und es sah so aus, als sei ein größeres Gefäß verletzt. Druckverband anlegen, schoss es uns durch den Kopf. Auf unsere Frage nach dem Verbandkasten deutete der Fahrer auf den Laderaum. Zum Glück mussten wir in dem Durcheinander dort nicht allzu lange suchen und hielten den Verbandkasten in den Händen. Er war nicht weniger verrostet und verbeult als das Auto, erschien uns alles andere als Vertrauen erweckend.

Doch zum Nachdeken blieb nicht viel Zeit. Verbände, Kompressen, Schere und Pflaster mussten her. Doch kaum war der Deckel geöffnet, durchzuckte uns ein Schreck. Denn was wir in diesem Kasten fanden, war mehr Müll als Mull. Die Schere war völlig verrostet, das Pflaster verblichen und nicht bereit, auch nur noch ein wenig zu kleben. Nur die Verbandpäckchen schienen noch brauchbar. Um Erste Hilfe zu leisten, griffen wir zu, legten einen ersten Verband an.

Lange keine Binde mehr in der Hand gehabt, dachten wir dabei. Und einen Druckverband, den hatten wir seit mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr angelegt. Zum Glück erinnerten wir uns schnell. Und es klappte besser, als wir befürchtet hatten. Und dann hatten wir Zeit, unseren Verbandkasten zu holen, um auch den einigermaßen lädierten Beifahrer zu versorgen.

Unser Kasten war noch recht neu. Ein Zufall, wenn wir ehrlich sind. Denn als wir an unseren wenig benutzten Zweitwagen dachten, da ahnten wir, dass es dort ähnlich schlimm aussehen könnte wie bei dem Unfallauto. Denn bislang hatten wir den Kasten nie benutzt, ihn nur zur regelmäßigen Hauptuntersuchung kurz hochgehalten - ohne ihn zu öffnen. Und dann wurde er wieder verpackt. Als wir ihn nach der Rückkehr nach Hause erstmals öffneten, da sahen wir mit einem Blick, dass dieser Kasten total verrottet war. Kurzum, wir kauften umgehend einen neuen Verbandkasten.

Denn in einem Notfall ist es nun einmal elementar wichtig, dass man auch brauchbares Verbandmaterial zur Hand hat. Und so schlimm wie in unserem alten Verbandkasten sieht es bestimmt in vielen Millionen anderen aus, die tagtäglich durch die Gegend gefahren werden. Deshalb nehmen Sie sich einmal ein paar Minuten Zeit, öffnen ihren Verbandkasten und prüfen, ob das, was darin ist, überhaupt noch brauchbar ist. Wer sich nicht sicher ist, sollte seinen Apotheker fragen. Aber da Verbandkästen nicht alle Welt kosten, sollte man hier nicht unnötig geizig sein und lieber einen neuen kaufen, um im Falle eines Falles nicht mit unbrauchbarem Material dazustehen.

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