Zeitung Heute : Der Sicherheits-Tipp: Lange Bremswege für schwere Urlaubsautos

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In unserem letzten Sicherheitstipp hatten wir davor gewarnt, die Autos, mit denen viele Familien in den nächsten Wochen in die großen Ferien starten, zu überladen. Zum Schluss wiesen wir darauf hin, dass sich bei voller Beladung die Bremswege verlängern und das Beschleunigungsvermögen nachlässt.

Das sind zwei Punkte, die man gar nicht ernst genug nehmen kann, wenn man sich ans Steuer seines Urlaubsautos mit der ganzen Familie an Bord setzt. Denn schon an der ersten Ampel erkennen viele ihr Auto nicht mehr wieder. Wo sonst ein relativ sanfter Druck aufs Pedal reichte, um das Auto zuverlässig zu verzögern, muss man nun ausgesprochen kraftvoll zutreten. Denn die Bremswege sind plötzlich unerwartet lang, und wenn die Straßen dann auch noch nass sind, leider viel zu oft viel zu lang.

Deshalb sollte man sich vor dem Start auf einer freien Nebenstraße oder einem großen freien Parkplatz mit dem Bremsverhalten des voll beladenen Autos vertraut machen und dann bei der anschließenden Fahrt mit Blick auf die verminderte Bremswirkung ausreichend Sicherheitsabstand einhalten, umso mehr, je nasser die Fahrbahn ist. Bei einem voll beladenen Auto ist es nicht ungewöhnlich, dass man bei Nässe einen mehr als doppelt so langen Bremsweg wie auf trockener Straße hat.

Besondere Vorsicht ist bei Staus angebracht. Denn viele schätzen den Weg bis zum Stauende völlig falsch ein, merken erst viel zu spät, dass sie nicht rechtzeitig auf die Bremse getreten haben und schaffen es oft erst auf dem letzten Meter, ihr Fahrzeug noch ohne Auffahrunfall anzuhalten.

Ebenso wie die Bremswege verändern sich auch die Fahreigenschaften eines voll beladenen Autos. Besonders deutlich wird das beim Kurvenfahren. Extreme Veränderungen im Fahrverhalten gibt es, wenn man auch auf dem Dach Gepäck transportiert. Dadurch verlagert sich der Fahrzeugschwerpunkt nach oben. Da das Auto dem Wind mehr Angriffsfläche bietet, wird es seitenwindempfindlicher. Praktisch bedeutet das, dass man auf kurvigen Strecken die Geschwindigkeit viel genauer dem Fahrverhalten anpassen muss, öfter einmal den Fuß vom Gas nehmen muss.

Unterschätzt wird von vielen Autofahrern aber auch, wie sehr sich das Beschleunigungsvermögen eines voll beladenen Urlaubsautos verändert. Das normalerweise in der Stadt leere und leichtfüßige Fahrzeug wird schwer beladen regelrecht zur "lahmen Ente", braucht für sonst in wenigen Sekunden erledigte Überholmanöver plötzlich fast unendlich viel Zeit - und dabei oft leider viel mehr, als man eigentlich einkalkuliert hatte. Da hat man den Eindruck, überhaupt nicht auf Touren zu kommen. Deshalb muss man aufpassen, dass man sich nicht verschätzt, wenn man zum Überholen ansetzt.

Mit Blick auf die Sicherheit empfiehlt es sich, bereits beim Packen für den Urlaub sehr genau zu überlegen, auf welches Gepäckstück man verzichten kann. Denn wer die letzte Lücke im Fahrzeug nutzt, der muss nicht nur mit schlechteren Fahreigenschaften, längeren Bremswegen und trägem Beschleunigen, sondern auch mit erheblich höherem Kraftstoffverbrauch rechnen.

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