Zeitung Heute : Der Sicherheits-Tipp: Stoßdämpfertest - fünf Millionen Pkw mit Risiko

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Es geschieht öfter, dass wir an dieser Stelle an die Stoßdämpfer unserer Autos erinnern. Denn trotz vieler Hinweise auf die wichtige Rolle, die diese Fahrwerkskomponenten für die Fahrsicherheit eines Autos spielen, gehören sie zu den Stiefkindern der meisten Autofahrer und werden nur sehr selten oder überhaupt nicht kontrolliert. Ja, selbst bei der Hauptuntersuchung gibt es bislang lediglich eine Sichtprüfung. Doch auf diesem Wege erkennt man allenfalls total verschlissene Dämpfer. Die Vielzahl jener Dämpfer aber, die zwar noch zum Teil aber eben längst nicht mehr optimal funktionieren, wird bei dieser Art von Kontrolle leider nicht erkannt. Und da Stoßdämpfer in aller Regel schleichend verschleißen, passt man sich als Autofahrer ganz automatisch der langsam abnehmenden Funktion an - bis zu jenem Punkt, an dem es bei einem kritischen Fahrmanöver dann schlicht zu spät ist und einem nicht gerade auf solche Situationen vorbereiteten Fahrer die Kontrolle über sein Auto verloren geht. Dann kommt es immer wieder zu jenen auf den ersten Blick unerklärlichen Unfällen, bei denen ein Auto bei einem flinken Ausweichmanöver überraschend den Kurs verlässt.

Gerade weil der langsame Funktionsverlust von Stoßdämpfern, die dafür sorgen, dass alle Räder stets optimalen Fahrbahnkontakt haben und das Fahrzeug damit jederzeit kontrollierbar ist, derart tückisch ist, sollte man das noch bis zum 22. Juni laufende Angebot des unentgeltlichen Stoßdämpfertests 2001 nutzen. Angeboten wird diese Verkehrssicherheitsaktion von allen Prüfstellen der Technischen Überwachungsvereine. Vorgenommen wird die Prüfung der Dämpfer auf einem speziellen Prüfstand, auf dem ohne Ausbau der Dämpfer exakt ermittelt wird, wie hoch die Wirkung jedes einzelnen Dämpfers noch ist. Das Ergebnis dieses Tests kann zwar bedeuten, dass jetzt kurz vor dem Urlaub noch einmal ein Werkstattaufenthalt nötig ist. Doch der Gegenwert dafür ist ein vielleicht lebensrettender Sicherheitsgewinn. Denn verschlissene Stoßdämpfer sind nun einmal mehr als nur ein Schönheitsfehler. Denn sie machen die Fahrzeuge in Kurven instabil und lassen bei Nässe Aquaplaning noch früher eintreten. Darüber hinaus können defekte Stoßdämpfer die Wirkung elektronischer Assistenzsysteme wie ABS, ASR und ESP spürbar vermindern. Und schließlich tragen verschlissene Stoßdämpfer auch dazu bei, dass die Bremswege länger werden.

Folgende Fragen sollte sich jeder Autofahrer stellen. Ist ihr Fahrzeug oft beladen? Taucht es in engen Kurven vorn stark ein? Verschleißen die Reifen besonders schnell oder unregelmäßig? Hat die Seitenwindempfindlichkeit zugenommen? Fährt das Auto insgesamt unruhig? Flattert das Lenkrad? Reagiert das Auto bei Bodenwellen, Straßenkuppen und Schlaglöchern empfindlich? Sind Sie bereits 80 000 Kilometer ohne Stoßdämpferkontrolle gefahren? Je öfter die Antwort ein "Ja" ist, desto dringender ist ein Stoßdämpfertest. Bei der Testaktion im vergangenen Jahr zeigte sich, dass 12,2 Prozent aller untersuchten Autos mindestens einen defekten Stoßdämpfer hatten - hochgrechnet auf den aktuellen Fahrzeugbestand bedeutet das fünf Millionen Fahrzeuge mit hohem Risikopotenzial.

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