Zeitung Heute : Der Sieger im Netz

Auf Twitter interessiert anderes als im Studio.

Auf Twitter steht der Gewinner des TV- Duells schnell fest: Stefan Raab. „Alibipass“ fordert denn auch „Raab for Kanzler – ganz starker Auftritt!“, Christian Bangel tweetet: „Ich mag Raab immer noch nicht besonders. Aber dieses #tvduell hat er gerettet.“ Und Medienjournalist Stefan Niggemeier schlägt den Bogen zum anderen männlichen Moderator, der im Gegensatz zu Raab überhaupt nicht gut wegkommt: „Wenn es jemanden gibt, der Raabs Anwesenheit noch mehr verflucht als Merkel und Steinbrück, dann Peter Kloeppel.“

Während sich die Kandidaten über Steuereinnahmen, Staatsverschuldung und Griechenlandrettung beharken, wird im Internet Merkels schwarz-rot-goldene Halskette großes Thema. Nach wenigen Minuten TV-Duell hat sie einen Twitter-Account und tausende Follower, bei der Internetsuchmaschine Google ist sie eins der meistgesuchten Themen.

Inhaltlich wird auch diskutiert, vielen Nutzern kommt aber ein Thema – wenig verwunderlich – viel zu spät: NSA und Prism. Als es gegen 21 Uhr 39 doch noch angesprochen wird, bricht ein Sturm auf Twitter los. Thomas Wiegold meint: „70 min. ging’s um Geld, bleiben noch 20 min. für sicherheit, krieg und frieden und so was.“ Jfkorn meint „Jetzt NSA. Es wird lustig.“ Peter Alberts ereifert sich über Merkel: „ ,Den zuständigen Mitarbeitern im Weißen Haus muss ich vertrauen.’ Mein Gott, was macht diese Frau eigentlich beruflich?“ Und dass die Kanzlerin das Internet als „Neuland“ bezeichnet hat, hat auch niemand vergessen.

Einmal fragt Hakan Tanriverdi: „Außenpolitik, irgendwann einmal?“, aber darüber hinaus vermisst die Netzgemeinde Syrien und Außenpolitik deutlich weniger, als man angesichts der aktuellen Ereignisse hätte erwarten können. Dafür beklagt „habicht“, das Fehlen von „Themen wie Gleichstellung, Quotenkram und direkte Demokratie“. Was noch auffällt: Parteipolitiker unterstützen ihre Kandidaten, die Grünen sind für Peer Steinbrück, und die FDP meldet sich kaum zu Wort.

Die Meinung der Zuschauer, geäußert über die Sozialen Medien, interessiert wiederum die Medien: „Zeit Online“ ruft dazu auf, seine Meinung mit #merkelplus oder #steinbrückplus kund zu tun, wenn man eine Antwort überzeugend findet oder sie mit Tweets von #merkelminus und #steinbrückminus abzustrafen. Bei der Twitter-Live-Auswertung von „Bild.de“ führt Steinbrück leicht. Das ZDF zählt die Nachrichten, die mit dem Stichwort #TVDuell abgesetzt werden.

Die Internetsuchmaschine Google hat die Anfragen während des Wahlkampfes ausgewertet. Am TV-Duell interessiert die meisten der Moderator Stefan Raab. Von den Bundestagsparteien wurde im Juli am häufigsten nach der SPD gesucht, bei den Duellanten hat im Wahlkampf klar Merkel die Nase vorn. Kaum überraschend: Sie ist ja auch die Kanzlerin.

Vielleicht hätten Peer Steinbrücks Mitarbeiter zumindest seinen Twitter-Account während des Duells ruhen lassen sollen: „Krass, @peersteinbrueck twittert mitten ausm #tvduell“, amüsiert sich Sebaso. ssch/cir

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