Zeitung Heute : Der sollte nicht mit Steinen werfen

Antje Sirleschtov

Der Präsident des Bundes der Steuerzahler (BdSt), Karl Heinz Däke, wird wegen Mehrfachbezügen schwer angegriffen. Wäre es besser, wenn er deshalb zurücktritt?

Für Karl Heinz Däke liegen die Dinge ganz klar. „Da läuft eine üble Hetzkampagne gegen mich“, sagt der Präsident des Bundes der Steuerzahler. Niemals habe er sich bereichert, und schon garnicht über Gebühr Geld kassiert für sein Amt als oberster Sittenwächter aller deutschen Steuerzahler. Von Rücktritt will Däke denn auch partout nichts hören: „Das kommt überhaupt nicht in Frage“, sagt er – und vermutet ganz offen, dass ihn seine eigenen Mitglieder aus dem Landesverband Berlin in den Dreck ziehen wollen. Eine Retourkutsche aus Berlin also, weil sich der dortige Chef des Steuerzahlerbundes vor kurzem auch für überzogene Einkünfte verantworten musste?

Seit Tagen jedenfalls ebbt die Kritik an dem 62-jährigen Däke nicht ab. Im Gegenteil: Nach tagelangen Vorwürfen – vor allem von Bundestagsabgeordneten – tauchte am Dienstag auch noch eine anonyme Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Wiesbaden auf. Untreue wirft Däke darin eine ehemalige Mitarbeiterin des Verbandes vor. Untreue ausgerechnet beim Umgang mit dem Geld der 400000 Verbandsmitglieder, die Däke dafür bezahlen, dass er Deutschlands Politiker seit Jahren dafür beschimpft, das Geld der Steuerzahler zu verschwenden. Auch ein Racheakt – spekulieren Verbandsmitglieder. Diesmal jedoch aus Hessen, nicht aus Berlin.

Däke selbst trat in der Vergangenheit immer wieder als Moralapostel auf, der Politikern und Beamten Verschwendungssucht und Selbstbedienungsmentalität unterstellte. Er selbst muss nun zugeben, dass er sich für seine Ämter als Präsident des Bundesverbandes, als Vorstand des nordrhein-westfälischen Landesverbandes und Chef des angeschlossenen Karl-Bräuer-Instituts zusammen nicht nur 132000 Euro Gehalt pro Jahr auszahlen lässt. Däke kassiert offenbar doppelt: Für Vorträge und Ähnliches lässt er sich zusätzlich bezahlen. Seine Widersacher im Verein munkeln, er rechne sogar private Reisen dienstlich ab. Und Däkes Versuch, sich selbst dieselben Pensionsansprüche zuzuschanzen, die er Politikern vorhält, konnte am Ende nur durch heftigen Einspruch der Landesverbände des Steuerzahlerbundes verhindert werden. Entpuppt sich der Privatmann Däke am Ende als genau der Typus, den der Steuerzahlerpräsident Däke immerfort mit beißender Kritik überzieht?

Nicht nur der stellvertretende SPD- Fraktionschef Joachim Poß fordert jetzt, Däke habe sich in der Öffentlichkeit disqualifiziert und solle seinen Hut nehmen. Auch die Vorsitzenden einzelner Landesverbände haben im Augenblick alle Hände voll damit zu tun, den verärgerten Mitgliedern die Vorgänge um ihren Präsidenten zu erklären.

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