Zeitung Heute : Der Spekulatiustester

Dirk Heider absolvierte ein freiwilliges ökologisches Jahr bei einer Verbraucherschutzorganisation

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Der Gammelfleischskandal ist für Dirk Heider ein alter Hut. Aber auch ein wichtiges Thema. Zwölf Monate lang hat er sich damit beschäftigt – und mit anderen Themen, die mit Ernährung und Verbraucherschutz zu tun haben. Der 20-Jährige hat gerade ein freiwilliges ökologisches Jahr nach dem Abitur hinter sich, bei der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch.

Testkäufe im Supermarkt gehörten zu seinen Aufgaben, vor allem Kartoffelchips und Spekulatius. Beides wurde hinterher im Labor auf den wahrscheinlich Krebs erregenden Stoff Acrylamid untersucht. Der entsteht, wenn Lebensmittel zu stark geröstet werden. Waren die Ergebnisse eingetroffen, erstellte Dirk am Computer Tabellen und Grafiken. Das konnte er schon vorher, schließlich will er später als Grafikdesigner arbeiten.

„Ess-wissen.de“ heißt eine Kampagne der Organisation, die sich für eine Verschärfung des geplanten Verbraucherinformationsgesetzes einsetzt. „Damit haben wir nach dem Fleischskandal im November 2005 begonnen, da wurde es richtig spannend für mich“, sagt Dirk. Er gestaltete Buttons, Aufkleber und T-Shirts mit dem Slogan und kümmerte sich um den Druck. Außerdem zeichnete er für die Mitgliedernachrichten Karikaturen von Verbraucherschutz- und Landwirtschaftsminister Horst Seehofer mit einer Herde schwarzer Schafe – den Urhebern des Fleischskandals.

Die Kampagne ist fast zu Ende. Und Dirk hat das Gefühl, dass er mit seiner Arbeit helfen konnte, etwas zu verändern: „Das war ein sehr cooles Jahr.“

Beim „Freiwilligen Ökologisches Jahr“ denkt man zuerst an Lernbauernhöfe und Naturreservate. So etwas wäre für Dirk jedoch nie in Frage gekommen. „Ich bin durch ein Wurmloch ins FÖJ geraten“, sagt er. Eigentlich wollte er seinen Zivildienst in einem Kindergarten leisten. „Aber mir ist schnell klar geworden, dass ich da nichts mit Kindern zu tun gehabt hätte, dafür umso mehr mit Scheuerlappen und Putzmitteln.“ Also begann er, sich nach einer Alternative umzusehen. Etwas mit politischem Hintergrund sollte es sein. Bei der Recherche stieß er auf das FÖJ. „Da waren die Stellenangebote interessanter als beim Zivildienst.“ Deshalb machte es ihm auch nichts aus, dass ein Ökologisches Jahr drei Monate länger dauert. Er bewarb sich bei Stiftung Naturschutz – einer von drei Trägerorganisationen in Berlin – auf drei Stellen. Nach Auswahlgesprächen bekam er den Platz bei Foodwatch. „Ich hatte Glück: Auf eine Stelle kamen drei Bewerber. Und um genommen zu werden, muss der Bewerber schon zu der Organisation passen.“ Ihm hat es mit Sicherheit geholfen, dass er schon vorher Mitglied bei Foodwatch war. Am liebsten würde er sich nur noch von Lebensmitteln aus dem Biomarkt ernähren. „Aber das konnte ich mir von meinem FÖJ-Gehalt nicht leisten.“ Das könnte jetzt besser werden: Dirk beginnt mit einem Kommunikationsdesignstudium und hat dank des Ökologischen Jahres schon einen Studentenjob. Er kümmert sich weiterhin bei Foodwatch um Tabellen und Grafiken.

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