Zeitung Heute : Der Spiegel-Trick (2)

DR. WEWETZER

Hartmut Wewetzer

DR. WEWETZER

Vor einigen Wochen wurde an dieser Stelle die „virtuelle Darmspiegelung“ zur Krebsfrüherkennung berichtet. Die Resonanz war groß. Den Anlass bot eine amerikanische Studie, die im Fachblatt „New England Journal of Medicine“ abgedruckt worden war. Virtuelle Darmspiegelung? Das ist die Möglichkeit, den Dickdarm mit Hilfe einer Computertomografie zu inspizieren, ohne das sich der Patient der möglicherweise unangenehmen herkömmlichen Inspektion mit einem dünnen Rohr unterziehen muss. Die Studie zeigte, dass das neue Verfahren mindestens ebenbürtig war. Viele Leser haben daraufhin gefragt (und fragen bis heute): Gibt es das auch bei uns?

Die Antwort lautet: Ja! Einer der Vorreiter der Methode ist Patrik Rogalla von der Klinik für Radiologie an der Berliner Charité. Hier hat man bereits gute Erfahrungen gemacht, und Rogalla ist sich sicher: „Das ist die Zukunft.“ Der Patient wird zunächst genauso vorbereitet wie bei einer herkömmlichen Darmuntersuchung. Außerdem muss er ein Kontrastmittel trinken. Die Untersuchung selbst ist völlig schmerzlos und dauert nur wenige Sekunden.

Die virtuelle Darmspiegelung kommt zunächst einmal für jene Patienten in Frage, die bei der herkömmlichen „endoskopischen“ Untersuchung Schmerzen oder psychische Probleme haben. Aber auch dann, wenn der Darm zu lang ist oder wegen bestimmter Medikamente ein Blutungsrisiko besteht. Ansonsten gilt: „Die Krankenkassen zahlen, wenn es einen Grund für die Untersuchung gibt“, sagt Rogalla. Ab dem 50. Lebensjahr hat jeder Versicherte Anspruch auf die Früherkennung.

Ein Nachteil besteht darin, dass Wucherungen der Darmschleimhaut – Polypen genannt – nicht gleich entfernt werden können. „Bei jedem zehnten Patienten muss dann doch eine zweite ,echte’ Darmspiegelung oder gar eine Operation erfolgen“, sagt Rogalla.

Neben ihrer Unkompliziertheit und Schnelligkeit hat die Untersuchung einen weiteren Vorteil. Denn sie deckt auch Krankheiten auf, die anderswo im Bauchraum verborgen sein können, etwa an Nieren und Leber. Vielleicht wird es eines Tages sogar möglich sein, den Dickdarm ganz ohne Vorbereitung „virtuell“ zu spiegeln, hofft Rogalla. Dann wäre der Spiegel-Trick wirklich perfekt.

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