Zeitung Heute : Der steueroptimierte Angestellte

Was Arbeitnehmer tun sollten, um möglichst viel von ihrem Bruttoeinkommen vor dem Finanzamt zu retten. Was Berater empfehlen

Regina-C. Henkel

Drei Mal tief durchgeatmet, hinein ins Chefzimmer und dann klar heraus mit der Sprache: „Guten Tag, ich komme wegen einer Gehaltserhöhung.“ Dass diese Strategie in der aktuellen Wirtschaftslage eher nicht zum Erfolg führt, dürfte fast jedem Arbeitnehmer klar sein.

Aber was soll man stattdessen tun, um rechts unten auf dem Gehaltszettel endlich einen erfreulichen Betrag lesen zu können? Die gut gemeinten Tipps von Freunden und Bekannten für die Gehaltsverhandlung reichen von „Du musst Dir schon eine sehr gute Begründung zurechtlegen“ bis hin zu „Lass es, Du weißt doch wie die Aktien Deiner Firma stehen und solltest froh sein, überhaupt noch im Geschäft zu sein.“ Auch im Buchhandel und im Internet wimmelt es von Ratschlägen. Fachautor Michael Chaffers etwa hat „Zehn goldene Regeln“ für eine erfolgreiche Gehaltsverhandlung aufgestellt. Die erste davon lautet „Überzeugender Auftritt“. Wer hätte das gedacht!

Vor allem aber lassen alle Empfehlungen dieser Art vollständig außer Acht, dass ein höheres Bruttogehalt nicht automatisch auch ein entsprechend höheres Nettoeinkommen bedeutet. Immerhin arbeitet das Einkommensteuergesetz (EStG) mit einer Progressionszone. Oberhalb des Grundfreibetrags von 7664 Euro (in der Splittingtabelle 15 329 Euro) beginnen die Steuersätze im Jahr 2004 bei 16 Prozent und steigen bis auf 45 Prozent – plus 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag auf die Einkommensteuer. Ab einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 52 152 Euro (in der Splittingtabelle 104 304 Euro) wird jeder einzelne Extra-Euro mit dem Spitzensteuersatz belastet. Das tut weh!

Arbeitnehmer, vor allem einigermaßen gut verdienende, die ihr Einkommen nicht nur auf dem Papier erhöhen wollen, wählen deshalb immer häufiger eine andere Strategie. Bundesweit etwa 75 000 Beratungsprofis bieten sich an, dabei Hilfestellung zu geben: Steuerberater und Steuerberatungsgesellschaften. Denn die Strategie heißt nämlich Steueroptimierung.

Weil die zentralen Begriffe für deren Umsetzung nicht wirklich leicht verständlich sind, kann ein Besuch beim Steuerberater durchaus sinnvoll sein. Oder kennen Sie den Unterschied zwischen „steuerfreier Zuwendung“, „steuerbegünstigter Zuwendung“ und „Aufwendungsersatz“? Ute Hohaus, Steuerberaterin in Berlin, ist in dieser Begriffswelt zu Hause. Viele ihrer Mandanten sind mit der „Hey Boss, ich will mehr Geld“-Methode gescheitert, konnten ihre Chefs aber von der Steueroptimierungs-Strategie durchaus überzeugen. Der simple Grund: Beide Seiten profitieren.

„Der Arbeitgeber“, erläutert Beraterin Hohaus, „kann dem Arbeitnehmer etwas Gutes tun, ohne dass höhere Steuern und Sozialabgaben anfallen.“ Als Beispiel nennt die 38-jährige Diplom-Ökonomin den so genannten Kindergartenzuschuss.

Beteiligt sich der Arbeitgeber an den Kosten der Kinderbetreuung oder übernimmt sie sogar in voller Höhe, kommt diese zusätzliche Zahlung ohne Abzug von Lohnsteuer und Sozialabgaben im Portemonnaie des Arbeitnehmers an. Der Arbeitgeber spart ebenfalls, nämlich seinen Anteil zur Sozialversicherung. Wollte der Arbeitgeber seinem Mitarbeiter einen entsprechenden Nettobetrag durch eine normale Gehaltserhöhung zukommen lassen, wäre das für ihn wesentlich teurer.

Kein Wunder deshalb, dass steuerfreie und -begünstigte Gehaltszulagen immer mehr Anhänger finden. Direktversicherungen für den Arbeitnehmer beispielsweise sind nach wie vor begehrt. Der Steuervorteil besteht hier darin, dass Beiträge des Arbeitgebers bis zu einer Höhe von jährlich 1752 Euro mit 20 Prozent pauschal versteuert werden können. Oft übernimmt der Arbeitgeber sogar diese pauschale Lohnsteuer.

Beraterin Hohaus räumt zwar ein, dass sich „an keiner Stelle wirklich richtig viel“ sparen lässt, aber wegen der Vielzahl der Möglichkeiten „überall ein bisschen“.

Weitere Infos im Internet unter:

www.bstbk.de, www.gehaltscoach.de

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