Zeitung Heute : Der Stolz der Universität Zusammenkommen

In einem Boot mit Wolfgang Thierse und Christiane Paul: Die Hochschule entdeckt ihre Alumni – und nicht nur die prominenten

Tania Lieckweg

Günther Jauch könnte mit der Frage: „Was haben Bundestagspräsident Wolfgang Thierse, die Schauspielerin Christiane Paul und der Regisseur Frank Castorf gemeinsam?“ den einen oder anderen Kandidaten scheitern lassen. In der Öffentlichkeit ist nämlich kaum bekannt, dass alle drei Absolventen der Humboldt-Universität sind. Was daran liegt, dass man sich hierzulande kaum mit der eigenen Universität schmückt, und die Hochschulen gerade erst beginnen, um ihre Alumni und mit ihren Alumni zu werben. In den USA gehört die Alumni-Arbeit schon lange zum selbstverständlichen und in vieler Hinsicht Gewinn bringenden Geschäft der Universitäten.

Für die Universitäten sind Alumni (von lat. Alumnus = der Zögling) aber nicht nur hervorragende Werbeträger, auch zur Weiterentwicklung ihrer Alma mater können sie entscheidend beitragen. Von ihnen kann man direkt erfahren, ob sie mit ihrer Ausbildung im Beruf Erfolg haben, welche Fähigkeiten ihnen fehlen und was sie den heutigen Studierenden empfehlen würden. Dafür bekommen Alumni auch viel von ihrer Universität zurück. Lebenslanges Lernen soll nicht nur ein Schlagwort sein, sondern mit Inhalt gefüllt werden. Dazu muss aber zunächst der Kontakt mit den Absolventen aufgebaut werden, was gar nicht so einfach ist, da viele die Universität verlassen, ohne eine Kontaktadresse zu hinterlassen.

Einer, der den Kontakt gehalten hat und zu einem viel gefragten Humboldt-Alumnus wurde, ist der Radiomacher Jürgen Kuttner. Er schwärmt von seinen ersten Tagen an der Humboldt-Universität: „Das war im Grunde das erste Mal, wo ich richtig stolz war: Mensch, jetzt biste Student und kannst das alles studieren. Alles ist offen und mal sehen, was da alles noch kommt und hoffentlich wird’s interessant.“

Damit der Austausch zwischen der Universität und möglichst vielen ihrer ehemaligen Studierenden und Mitarbeitern, aber auch die Kommunikation untereinander in Zukunft besser wird, hat die Humboldt-Universität im letzten Jahr ein Alumni-Portal im Internet ins Leben gerufen. Die mehr als 30 Initiativen und Vereine der ehemaligen Humboldtianer sind nun hinter einem Tor versammelt und können gemeinsam Kontakt zu ihren Ehemaligen halten. Aber auch diejenigen, die nicht – oder noch nicht – einem bestimmten Alumni-Verein angehören, finden hier Kontakt zu ihrer Universität.

Als besonderen Service bietet die Humboldt-Universität ihren Ehemaligen eine eigene E-Mail-Adresse an, die wie bei anderen E-Mail-Diensten über das Internet zu erreichen und zu pflegen ist. Unter der Adresse Vorname.Name@alumni.hu -berlin.de sind die Ehemaligen damit für Freunde, Bekannte, andere Kommilitonen und die Universität stets erreichbar.

Das Alumni-Portal ist aber nicht nur eine Plattform für den Austausch der Ehemaligen untereinander, sondern bietet eine Reihe weiterer Angebote. So stellen sich die einzelnen Vereine und Initiativen vor, ein Kalender informiert über aktuelle Veranstaltungen, und das umfassende Beratungsangebot der Humboldt-Universität steht den Ehemaligen zur Verfügung. Nachwuchsförderung, Berufseinstieg oder Existenzgründung sind nur einige der Themen, zu denen hier sachkundige Auskunft erteilt wird.

Aber auch die Unterhaltung kommt nicht zu kurz. In einem elektronischen Gästebuch können Ehemalige miteinander plaudern, konkrete Fragen stellen oder einfach nur vorbeischauen. So sucht der ehemalige Student Peter Bruhn Kontakt zu anderen Ehemaligen, die wie er die Vierzigerjahre der Universität erlebt haben, die damals noch Friedrich-Wilhelms-Universität hieß. Zu dieser Zeit war Bruhn im „Studentischen Ausgleichsdienst“ und später folgte dann in den Fünfzigerjahren ein Jahr als Bibliotheksreferendar in der Universitätsbibliothek. Seine berufliche Karriere setzte er bis 1991 an der Freien Universität fort, heute ist der Ruheständler wieder an die Humboldt-Universität zurückgekehrt, um in der Universitätsbibliothek seinen bibliographischen Forschungsinteressen nachzugehen. Für alle diejenigen, die die Zeit zum regelmäßigen Surfen auf den Internet-Seiten nicht finden, wird ein Newsletter verschickt, der die Alumni über Termine, Veranstaltungen und neueste Entwicklungen an ihrer Universität informiert.

Schon hier wird deutlich, wie unterschiedlich die Zielgruppen sind, die mit der Alumni-Arbeit angesprochen werden. Von den „Kommilitonen von 1933“, die im Herbst 2001 von der Humboldt-Universität nach Berlin eingeladen wurden, über die bereits in Vereinen organisierten Ehemaligen bis hin zu jungen Absolventen soll ein großer Personenkreis angesprochen werden. Eine Gruppe, die als nächstes in die Arbeit einbezogen werden soll, sind die Doktoranden, die als Promovierte die Universität verlassen werden.

Eine von ihnen ist die Sozialwissenschaftlerin Cornelia Raue. Sie studierte an der London School of Economics und promovierte dann im Graduiertenkolleg „Das neue Europa“ am Institut für Sozialwissenschaften der Humboldt-Universität. „Ein Netzwerk zwischen den Absolventen des Graduiertenkollegs besteht seit unserem Abschluss“, sagt die Soziologin. „Dort haben wir in einer Arbeitsgruppe intensiv an unseren Dissertationen gearbeitet, und in diesem Kreis tauschen wir uns auch heute über unsere Berufserfahrungen aus. Allerdings nicht in einem formalen Rahmen.“

In Zukunft will die Humboldt-Universität alle Absolventen und Doktoranden direkt bei ihrem Abschluss ansprechen und für ihre Alumni-Arbeit gewinnen. Nach amerikanischem Vorbild auch bei der Hochschul-Finanzierung eingespannt zu werden, braucht vorerst niemand zu befürchten.

Künftige Absolventen erhoffen sich von der Alumni-Arbeit vor allem Hilfe beim Berufseinstieg. Sibylle Kapp, die gerade vor ihrem Abschluss in Anglistik und Amerikanistik steht, formuliert ihre Erwartungen deutlich: „Die Universität braucht ein Alumni-Büro mit festen Sprechzeiten und einem kompetenten Ansprechpartner, wo man Beratung bei Bewerbungen und Unterstützung bei der Jobsuche bekommt.“

Mehr als 30 Alumni-Initiativen und Vereine suchen Kontakt zu Ehemaligen. Eine Plattform bietet das Alumniportal.

Das Alumni-Portal im Internet: www.hu-berlin.de /alumni

E-Mail: alumni@hu-berlin.de

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