Der Tag, an dem … : … das Fell des Bären stört

Der berühmte amerikanische Boxpromotor Don King ist bekannt dafür, dass er in der Früh, gleich nach dem Aufstehen, seine Finger ein bisschen in die Steckdose steckt. Zumindest sehen seine Haare so aus, die nach solcherart statischer Aufladung in alle möglichen Himmelsrichtungen streben, nur nicht in die südliche. Man kann davon ausgehen, dass der Amerikaner Don King das schön findet, er verfährt so schon seit Jahrzehnten.

Im englischen Mutterland hingegen stößt eine solche Haarpracht nur auf Ablehnung. Man könnte zum Beispiel den Kopfschmuck der königlichen Garderegimenter aus Kunstpelz herstellen. Es haben aber Versuche gezeigt, dass dieses synthetische Material sich statisch auflädt. Diejenigen, die schon einmal mit der künstlichen Faser in Berührung kamen, kennen das Problem. Und nun stelle man sich vor, wie Millionen London-Touristen zum Buckingham Palace oder zum Windsor Castle pilgern, um dort die königliche Garde zu fotografieren, und die Garde stünde auftoupiert wie Don King stramm. Queen Lisbeth wäre gewiss not amused. Andererseits haben ebenfalls Versuche gezeigt, was passiert, wenn die schmucken Gardisten mit ihrem künstlichen Kopfschmuck im Regen stehen. Dann sehen sie nämlich nicht aus wie Don King, sondern wie begossene Pudel. Will man das fotografieren?

Da ist auf der einen Seite der in Monarchien weitverbreitete Wunsch nach Pracht und Tradition, beides kann weder bedröppelt noch wirr daherkommen. Da ist auf der anderen Seite aber auch die nicht nur, aber auch in Monarchien weitverbreitete Liebe zur Natur. Der klassische Kopfschmuck der königlichen Garderegimenter ist 45,72 Zentimeter hoch, wiegt 680 Gramm und um ihn herzustellen, wird zuvorderst in Don Kings Heimat dem Schwarzbären das Fell über die Ohren gezogen. So eine Bärenfellmütze hat den Vorteil, dass sie wetterresistent ist und daher immer fotogen. Ihr Nachteil liegt eindeutig beim Schwarzbären, der auch Baribal genannt wird. 50 Felle verarbeitete das englische Militär allein im vergangenen Jahr, seit 2002 waren es 500. Wogegen nun die Unterhausabgeordnete Anne Widdecombe vehement zu Feld zieht und die Bemützung mit Kunstpelzen fordert. Das aber ist das Dilemma, Tierschutz versus Tradition, der Fluch der Monarchie, der nur noch größer und weltweit ausfallen würde, wenn die Gardemützen weiß wären und vom Eisbären abstammten. Wohl dem, der eine königshausfreie parlamentarische Demokratie sein Eigen nennt. Die unseren Bundespräsidenten vor Schloss Bellevue bewachenden Polizeibeamten tragen zur Not auch Strickmützen. Aus Baumwolle.uem

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