Der Tag, an dem … : … der Pfeil im Köcher bleibt

Aus Mecklenburg-Vorpommern, wo die Frauen normalerweise ja davonlaufen und die Männer glasigen Blickes darauf warten, dass die angebrochenen Abende endlich ein Ende haben, aus Mecklenburg-Vorpommern also, heute ausnahmsweise mal nur gute Nachrichten. Ja. Ganz ehrlich. Mit Anstand haben sie dort oben die Einheitsfeiern über die Bühne gebracht, zum zweiten Mal nun schon; sogar der sozialdemokratische Problembär Kurt Beck konnte halberlei sozialverträglich in die Festtagsgemeinde integriert werden – Chapeau!

Das schöne Ereignis verschattet indes die wahrhaft frohe Kunde, die nun ein wenig verspätet aus der Jagdschule Gelbensande an unser Ohr dringt. Dort, in Gelbensande, ist am vergangenen Wochenende nämlich recht stiekum der Termin für die Jagdprüfung mit Pfeil und Bogen abgesagt worden. Die Bogenjagd wäre ein Novum in deutschen Wäldern gewesen. Doch über die Hälfte der Probanden habe bei einem Vortest die praktischen Fähigkeiten nicht vorweisen können, wie es heißt.

Was das heißt, kann man sich vorstellen, wenn man weiß, dass sich der Kurs in Gelbensande an den Richtlinien des dänischen Bogenjagdverbandes orientiert. Die Dänen erwarten von ihren Bogenschützen, dass aus einer Entfernung von 35 Metern ein etwa handtellergroßes Ziel – in der Schweiz würde man sagen: ein Apfel – bei sechs Versuchen fünf Mal getroffen wird. Fünf von sechs, das scheint, gerade wenn man die Geschichte der Schweiz berücksichtigt, nicht zu viel verlangt, aber auch, wenn man das berechtigte Interesse des Schalenwildes im Auge hat, fortan nicht gespickt wie ein Käseigel aus den 70ern durch Wald und Flur zu stapfen.

Apropos 70er. Der Fußballtrainer Max Merkel hat in jenen Jahren einmal den Spieler Jimmy Hartwig aus fünf Metern auf einen Möbelwagen schießen lassen. Hartwig hat damals nicht getroffen, was Merkel wiederum als Nachweis für dessen begrenzte fußballerische Fähigkeiten anführte. Fünf Meter sind wirklich nicht viel. Indes: Die Anforderungen so nach unten zu korrigieren, dass jeder Vorstadt-Winnetou ein Erfolgserlebnis hat, kommt für einen Kurs, der an den Richtlinien des dänischen Bogenjagdverbandes orientiert ist, auch wieder nicht infrage.

Die Prüfung in Gelbensande ist nun erst mal auf Februar nächsten Jahres verschoben, was die anfangs erwähnte gute Nachricht aus Meck-Pomm ist. Die Hirsche dort oben haben also noch ein wenig Luft. Ab Februar bleibt ihnen dann nur noch die Hoffnung, dass auch im theoretischen Teil der eine oder andere den Bogen überspannt. Vbn

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar