Der Tag, an dem … : … der Posaunist verstummt

Hier heute nur eine klitzekleine Ergänzung zu unserer ohnehin formidablen Berichterstattung über die Berlinale, wirklich! Es ist eine allerdings etwas trübe Tangente zu all dem Glanz und Glamour, frisch reingereicht von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV), die für gewöhnlich ein Ausbund an Seriosität ist, sicher, sich für den Spaß im Leben jedoch nur am Rande zuständig fühlt. So viel Zeit muss aber sein, ja, auch deshalb, weil doch gerade Mick und Keith in der Stadt sind: Jungs, das wird euch interessieren.

Die DGUV weist nämlich darauf hin, dass schon vom Freitag kommender Woche an Berufsmusiker in Deutschland besser vor ihrem eigenen „Lärm“ geschützt werden. Das mag nun, was den Gesundheitsaspekt angeht, ein bisschen spät kommen für die Stones oder anderweitig kernige Typen wie Lemmy Kilmister von Motörhead beispielsweise. Aber an die denken unsere Unfallversicherer sowieso nicht in erster Linie. Auch ein im Wesentlichen der Klassik zugeneigter Posaunist in einem Symphonieorchester kann nämlich, wenn er nur kräftig genug in sein Instrument tutet, sich in puncto Lautstärke nach Berechnungen der DGUV durchaus mit einer funktionierenden Holzfräsmaschine messen. Und noch der feinnervigste Geiger levelt sich bei aller Virtuosität bisweilen auf dem Geräuschpegel einer schnöden Heckenschere ein, immerhin. Arbeitsschutztechnisch ist so etwas ganz bestimmt nicht in Ordnung. Andererseits: Ist es nicht auch ganz schön, wenn es die Philharmoniker bisweilen so richtig krachen lassen, dass selbst der Nachbar im Parkett nicht mal mehr merkt, dass man irrtümlicherweise seine automatische Heckenschere mit ins Konzert genommen hat? Eben! Auf die Ausführungsbestimmungen der neuen Lärmschutzrichtlinie darf man sich schon freuen, gerade auch unter ästhetischen Gesichtspunkten. Die Arbeitsschützer schlagen zum Beispiel durchsichtige Schallschutzschirme zwischen den einzelnen Orchestergruppen vor. Auch der gute alte Kopfhörer, üblicherweise sonst gerne gesehen vor allem an der Holzfräsmaschine, ist als denkbare Variante erlaubt.

Bevor nun alle dazu verdonnert werden, nur noch „Leise rieselt der Schnee“ auf der Blockflöte vorzutragen – wären nicht Anleihen aus dem Rauchverbotswesen angebracht? Für Posaunisten, Trommler und andere Radaubrüder wären Separees denkbar, zur Not vertieft man den Orchestergraben um ein paar Meter. Vbn

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