Der Tag, an dem … : … die Bahn den Minister streicht

Werneuchen wurde erstmals 1247 urkundlich erwähnt. Werneuchen liegt östlich von Berlin, in Brandenburg, im Landkreis Barnim, genauer gesagt im Regionalpark Barnimer Feldmark. Gott, was gibt es noch über Werneuchen zu sagen? Dass es 7847 Einwohner hat, vielleicht ein paar mehr, vielleicht ein paar weniger, die Zahl stammt vom 31. Dezember 2006, seitdem hat es gewiss Geburten gegeben und Tode, Zu- und Wegzüge. Letztere werden künftig etwas schwieriger werden. Werneuchen hat neun Stadtteile.

Einmal erlebte Werneuchen eine kurze Phase des Aufschwungs, das heißt, zum Aufschwung kam es nicht wirklich, aber dessen Infrastruktur wurde geschaffen. Das war 1898, als die Wriezener Bahn eröffnet wurde und Werneuchen dadurch eine erheblich verbesserte Verkehrsanbindung vorweisen konnte. Aber dann dämmerte Werneuchen doch wieder ein. Schade, dass Theodor Fontane die dampfende Lokomotive nicht mehr erlebt hat, wo er doch Werneuchen einmal gesehen und erwähnt hat. Zum Eisenbahnbau steuerte die Stadt übrigens damals 2500 Mark bei, so steht es in den heimatkundlichen Mitteilungen von 1925. Und die Kosten fürs Land natürlich, 26 679,82 Mark immerhin. Zu diesem Zeitpunkt gaben in Werneuchen das Sägewerk Konkordiamühle Arbeit, eine Dampfmühle, noch ein Sägewerk, eine Zementsteinfabrik, das Baugeschäft von Emil Petrick, und, nicht zu vergessen, auch die Neuendorf’sche Bockwindmühle am Bahnhof. Neben der stand lange Zeit die Bugge’sche Windmühle, aber die ist leider 1923 abgebrannt. Da konnte die Freiwillige Feuerwehr, die es in Werneuchen schon seit 1899 gibt, trotz aller gebotenen Anstrengung nichts mehr retten.

Im Jahre 1957 bekam Werneuchen hohen Besuch, der vietnamesische Staatspräsident Ho Chi Minh besuchte die Maschinen- und Traktorstation Mao Tse-tung Werneuchen. Er hielt eine Rede und sagte: „In Vietnam tragen die Bäuerinnen noch keine Perlonstrümpfe, aber sie sind tapfer und fleißig und werden in wenigen Jahren den Wohlstand unseres Volkes bedeutend erheben“. Ach, glückliches Werneuchen. Tempi passati.

Wolfgang Tiefensee ist der Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung. Wie gesagt, Werneuchen hat neun Stadtteile, einer liegt direkt am Gamensee im Forst Prötzel. Vom Zentrum aus kam man dorthin mit der Bahn. Kam. Die Strecke wurde jetzt gestrichen. Der Stadtteil am Gamensee heißt Tiefensee. Man kann also sagen, die Bahn hängt Tiefensee ab. Das ist lustig. uem

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