Der Tag, an dem … : ... die Mutter aller Flughäfen fremdgeht

Die Horrorfrage aller Väter lautet: Papa, wie werden eigentlich Kinder gemacht? Da windet sich das Familienoberhaupt, da greift der Papa zu Ausreden und windigen Metaphern, da werden Störchlein mit Bienlein und Menschlein mit Blümlein vermählt, dass es den seligen Bernhard Grzimek nur so grausen würde.

Unterschätzt, aber nicht minder brisant ist die Frage, wie eigentlich Flughäfen gemacht werden. Hierüber wird gerne geschwiegen, gerade in Berlin, wo es immer nur darum geht, Flughäfen ein Ende zu bereiten. Wer aber vom Ende spricht, darf von den Anfängen nicht schweigen! Das weiß auch die „Interessengemeinschaft Berlin Tempelhof“, die morgen einen Aktionstag zur Rettung des Stadtflughafens veranstaltet. Dort werden dann auch jene Plakate zu sehen sein, die inzwischen ganz Berlin zieren: „Ja zur Mutter aller Flughäfen!“

Mutter aller Flughäfen? Klingt nach windiger Metapher, trifft aber den Kern der Sache: Tempelhof war 1923 der erste Verkehrsflughafen der Welt, eine Art Brutstätte des modernen Flugwesens also, eine Eizelle der Personenluftfahrt, die Gebärmutter des Massentourismus, das Kindbett des Meilensammelns. Wann immer die Welt nach 1923 einen neuen Flughafen brauchte, schauten die inspirationssuchenden Architekten nach Tempelhof, wo dann gewissermaßen die Rollfelder zu kreißen begannen, die Gepäckbänder ächzten und die Check-In-Schalter stöhnten, bis sich schmatzend die Hangartore auftaten und ein kleines, schmieriges Etwas hervorpressten. Ein Raunen ging dann durch die Welt: „Es ist... ein Charles de Gaulle!“, riefen die Leute, oder: „...ein John F. Kennedy!“

Tempelhof als „Mutter aller Flughäfen“, diese Geburtsmetapher hat sich übrigens Sir Norman Foster ausgedacht. Zur Erinnerung: Das ist der britische Architekt, der dem Berliner Reichstag eine Art gläserne Gebärmutter aufgesetzt hat. Außerdem ist Foster, was hier wichtiger ist, der architektonische Vater diverser Flughäfen. Er dürfte demnach zur alten Tante Tempelhof ein mehr als oberflächliches Verhältnis pflegen. Was im Übrigen auch für Hartmut Mehdorn gilt: Der ist nicht nur so etwas wie die Mutter aller Bahnchefs, er bezeichnet sich auch bei jeder sich bietenden Gelegenheit als leidenschaftlicher Tempelhof-Liebhaber.

Wie bitte? Wieso abschweifen? Wie denn nun eigentlich Flughäfen gemacht werden? Nun ja, liebe Kinder, das ist im Grunde ganz einfach: Wenn der Onkel Mehdorn die Tante Tempelhof ganz doll lieb hat, dann suchen sich die beiden ein stilles Eckchen und... und den Rest, den erzählt euch die Mama. müh

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