Der Tag, an dem … : … Eisbären vor Gericht ziehen

Nein, wir haben den Valentinstag nicht vergessen, den Tag der Liebenden. Wie ihn auch Peter Struck nicht vergessen hat, der Afghanistan-Peter. Struck, der Mann, der in den zurückliegenden Koalitionsstreitigkeiten und Wahlkampfnickeligkeiten als Einziger stets die Liebe hat sprechen lassen („Die CDU kann mich mal“). Gestern, am 14. Februar, stand er denn auch am Berliner Bahnhof Friedrichstraße und verteilte rote Rosen an Passanten. Mehr noch: Er stand unter einem Transparent mit der Aufschrift: „Liebt euch!“ Ja, das wollen wir tun, auch heute noch, wo der Valentin für dieses Jahr schon wieder Geschichte ist und immerfort.

Nein, wir haben ihn nicht vergessen, wir denken nur weiter, daran, was folgen kann nach der Liebe. Und dann ist man sehr schnell bei den anderen großen Themen dieser Zeit: Kindergeld, Unterhaltspflichten, Vaterschaftsklagen. Im Regelfall ist es so: Die Eltern sorgen für die Kleinen. Vater und Mutter oder Vater oder Mutter kaufen die Kleiderchen, den Brei, und wenn die Kleinen dann größer werden, werden sie auch in dieser Zeit von den Eltern hinreichend unterstützt. Diesem System liegt auch eine gewisse Logik zugrunde, weil die Kleinen auch nicht arbeiten sollen, zumindest ist dies in zivilisierten Gesellschaften verpönt. Es gibt aber auch in dieser Zivilisation Ausnahmen, wie das Beispiel von Anna Ermakowa zeigt, die durch ihren erlernten Beruf Boris-Becker-Tochter ihrer Mutter allerlei Kleiderchen und Breichen kaufen kann. Auch wenn die Mutter dann mal erwachsen sein wird, wird sie gewiss von der Tochter hinreichend unterstützt. Ein Beispiel, das in der neuen Parallelwelt der Menschheit, der Welt der Eisbären, bald Schule machen könnte.

Wir alle erinnern uns noch an Knut. Der ist nun nicht mehr knuddelig, dafür aber reich, berühmt, wohl auch noch Kind, auf jeden Fall Sohn. Sohn von Lars nämlich. Lars verdiente einst sein Futter als Eisbär des Tierparks zu Neumünster, bevor er 1999 in die Hauptstadt kam. Lars war nämlich ausgeliehen worden. Ausleihgeschäfte gibt es also nicht nur im Fußball, Parallelwelt eben. Und nun wollen die Neumünsteraner beteiligt werden an den geschätzten fünf Millionen Euro Werbeeinnahmen des Knut. Es soll zur Klage kommen, eine Art umgekehrter Vaterschaftsklage, an dessen Ende das Kind den Vater versorgt. Ob Lars, der sich keinen Deut um Knut kümmerte, als dieser eine väterliche Tatze brauchte, auch einen moralischen Unterhaltsanspruch hat, soll jeder mit sich selbst aushandeln. Ansonsten gilt das Struck’sche Axiom: Liebt euch!uem

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