Der Tag, an dem … : … Gates zu Gast ist

Zwischen Bill Gates und Berlin gibt es mehr Unterschiede als Gemeinsamkeiten. Die deutsche Hauptstadt ist arm, aber sexy. Der Microsoft-Gründer ist unattraktiv, aber reich. Bill Gates verdient, wie die „BZ“ ausgerechnet hat, mit jedem Atemzug 347 Dollar, Tag für Tag atmet sich der Mann seine 30 Millionen zusammen. Berlin dagegen macht zwar Fortschritte auf dem Weg zum ausgeglichenen Haushalt, verliert aber vorerst mit jedem Atemzug weiter Geld. Bill Gates ist der Kopf eines weltumspannenden Wirtschaftsimperiums, Berlin die Hauptstadt eines kleinen Landes in Mitteleuropa. Das corporate design der Gates-Firma Microsoft wird von Blautönen beherrscht. In Berlin herrscht Rot-Rot. Berlins Wappentier ist der Bär. Der Unternehmer Gates hasst den Bären, da das Tier im Börsenjargon für sinkende Kurse steht. Gates setzt vielmehr auf den Bullen, der an der Börse Kurszuwächse verheißt, in Berlin dagegen ein rüdes Schimpfwort für Polizisten ist. Das sind jetzt nur mal die Kernunterschiede zwischen Bill Gates und Berlin, man könnte da sicher noch mehr finden.

Seit gestern ist Bill Gates zu Besuch in Berlin, heute reist er wieder ab. Was er hier tut? Was Geschäftsleute auf Reisen halt so tun: Synergieeffekte anstreben. Ein Synergieeffekt zwischen Bill und Berlin, das könnte heißen: Am Ende sind beide reich und sexy. Im Manager-Sprech würde man das als „Win- Win-Situation“ bezeichnen.

Klaus Wowereit hat Bill Gates in Berlin mit den folgenden Worten willkommen geheißen: „Ich freue mich, dass der große Software-Entwickler in der Stadt zu Gast ist, in der Konrad Zuse den ersten funktionsfähigen Computer der Welt gebaut hat.“ Bedeuten soll das: Kein Berlin, kein Computer – kein Computer, kein Bill Gates. Obwohl Wowereit jetzt sicher widersprechen würde, darf man seine Worte getrost als Wink mit dem Spendenformular verstehen: Lieber Herr Gates, lassen Sie Ihren 347-Dollar-Atem doch ein bisschen über diese Stadt wehen, Sie schulden uns was.

Wohl deshalb wurde für Gates auch so ein straffes Besuchsprogramm organisiert: Eintrag ins Berliner Gästebuch, Fototermin mit Wowi, Teilnahme am „Government Leaders Forum“, Lancierung eines IT-Wettbewerbs … Man wird den Mann so lange durch die Stadt hetzen, bis er fix und fertig unterm Brandenburger Tor steht, stoßweise atmend, 347 Dollar, 694 Dollar, 1041 Dollar, dann wird Wowi ihm als zusätzlichen Schock einen mit Aktienkursen bemalten Buddy-Bären in die Hand drücken, Bill wird hyperventilieren, 1388 Dollar, 1735, 2082, 2429 … Den gekeuchten Überschuss darf Wowi schließlich als Gastgeschenk dem Berliner Haushalt gutschreiben. müh

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