Der Tag, an dem … : … Liebe durch die Leber geht

Dass Liebe durch den Magen geht, ist bekannt. Dass auch zwischenstaatliche Erotik (vulgo: Völkerfreundschaft) kulinarisch angefacht werden kann, lehrt jeder Staatsbesuch, bei dem die Menüfolge minutiös geplanter Bestandteil des diplomatischen Protokolls ist. Staatenlenker delegieren diese Aufgabe in der Regel an Profis – wäre ja auch ein bisschen viel verlangt, wenn Angela Merkel sich vor dem Treffen mit Wladimir Putin auch noch überlegen müsste, was dem Russen wohl munden könnte. Auch als George Bush vor zwei Jahren in Merkels Heimat, der Uckermark, gastierte, bekam er zwar regionaltypisches Wildschwein vom Grill kredenzt – aber die Sau, da darf man sicher sein, war nicht auf Merkels Mist gewachsen.

Wenn dagegen der birmanische Regierungschef Thein Sein heute seinen thailändischen Amtskollegen Samal Sundaravej besucht, will Letzterer persönlich den Kochlöffel schwingen. Was genau er dem hohen Gast vorsetzen möchte, verriet Sundaravej nicht, durchblicken ließ er lediglich, er habe sich im Nachbarland erkundigt, „welches Essen Thein Sein nicht mag“.

Nun ist Sundaravej für seine Kochkünste leidlich bekannt, der Mann hatte sogar mal eine eigene Kochshow im thailändischen Fernsehen. Doch auch kulinarisch weniger begabte Staatschefs sollten sich am fernöstlichen Vorstoß ein Beispiel nehmen. Wie viel verbindlicher wären die internationalen Beziehungen, wenn sie durch den Magen gingen! Man erahnt schon die Fernsehbilder: George Bush zu Gast im Iran, Mahmud Ahmadinedschad in traditioneller persischer Küchenschürze. „Ganz vorzüglich, die Pilze, mein lieber Mahmud“, säuselt Bush beim anschließenden Mahl. „Und wo wir schon beim Thema sind: Atompilze und Außenpolitik, das passt doch wirklich nicht zusammen. Ehrlich, uns Westlern schmeckt dieses scharfe Zeug nicht.“ Ähnlich elegant könnte etwa Nicolas Sarkozy in Serbien von Cornichons zum Kosovo überleiten, könnte Putin in Tschechien bei gedünstetem Sudeten-Wild den unerwünschten Raketen-Schild erwähnen, vom Abschmecken käme man zum Abrüsten, vom Sieden zum Frieden.

Noch besser ginge das natürlich mit Alkohol. Hugo Egon Balder arbeitet gerade an einem entsprechenden Vorstoß: Er träume, verriet er der „Vanity Fair“, von einer neuartigen Polit-Fernsehshow. Die Idee: „Fünf hochkarätige Gäste hauen sich mit mir die Hucke voll.“ Dann werde man „hackebreit über sehr ernste Themen“ reden. Ein Modell für die Außenpolitik? Balders Traum-Show gibt im Arbeitstitel schon mal die Richtung vor: „Der Klügere kippt nach.“ müh

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