Der Tag, an dem … : ... man deutsh spricht

Liebe deutsche Türkei-Urlauber!

Heute möchte ich, Ihre Bundeskanzlerin Angela Merkel, mich mit einem besonderen Anliegen an Sie wenden. Wie Ihnen bekannt sein dürfte, hat mein türkischer Amtskollege Tayyip Erdogan bei seinem kürzlichen Deutschlandbesuch einige Verstimmung hervorgerufen, als er unsere Mitbürger türkischer Herkunft aufforderte, sich in Deutschland nicht kulturell assimilieren zu lassen. Wir im Kanzleramt glauben, dass dieser Vorstoß Gegenmaßnahmen verlangt – und hier ist Ihre Mithilfe gefragt.

Ebenso wie Türken in Deutschland das zahlenmäßig größte Migrantenkontingent stellen, stellen wir Deutschen in der Türkei das größte Urlauberkontingent. Es ergeht deshalb an Sie der ausdrückliche Aufruf, sich während Ihrer nächsten Reise in die Türkei unter keinen Umständen kulturell assimilieren zu lassen.

Nun haben Sie dazu bisher auch keine besonderen Neigungen gezeigt. Dennoch möchten wir noch einmal ausdrücklich auf einige Punkte hinweisen, die in unseren Augen als kulturelles Erbe der Nation auch im Ausland hochzuhalten sind.

Punkt 1: Am Strand wird „Bild“ gelesen, nicht „Hürriyet“. Punkt 2: Die sittliche Leitfigur des deutschen Urlaubers ist nicht Mohammed, bei uns übernimmt diese Funktion Dieter Bohlen. Punkt 3: Verweigern Sie bitte weiterhin, sich vor dem Urlaub Grundzüge der türkischen Sprache anzueignen. Bestehen Sie auf deutschen Speisekarten und weisen Sie den Wirt pedantisch auf jeden Rechtschreibfehler hin. Punkt 4: Was Sie nicht kennen, sollten Sie auch nicht essen. Geben Sie heimischen Gerichten den Vorzug vor exotischen Speisen. Informieren Sie sich vorab, ob in Ihrem Hotel Schweinefleisch angeboten wird, und wählen Sie gegebenenfalls ein anderes. Wenn Ihnen Döner serviert wird, bestehen Sie darauf, dass er genau so zubereitet wird wie in Deutschland. Punkt 5: Verstöße gegen die deutsche Straßenverkehrsordnung müssen Sie sich auch in der Türkei nicht bieten lassen. Weisen Sie den fraglichen Fahrer nötigenfalls darauf hin, dass die StVO in Deutschland ähnliche moralische Autorität besitzt wie in der Türkei der Koran. Punkt 6: Bitte lassen Sie sich auch im Türkei-Urlaub nicht davon abbringen, Socken mit Sandalen zu kombinieren – selbst dann nicht, wenn man Ihnen einzureden versucht, das sei eine Unsitte der Deutschen. Stehen Sie zu unseren nationalen Gebräuchen.

Liebe deutsche Türkei-Urlauber, ich danke Ihnen verbindlichst für Ihre Unterstützung. Ich bin und bleibe Ihre Bundeskanzlerin – auch und insbesondere in Anatolien. Mit christdemokratischen Grüßen, Ihre Angela Merkel. müh

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben