Der Tag, an dem … : … Merkel baden geht

Die Kanzlerin packt dieser Tage wieder mal die Koffer und macht Außenpolitik. Es geht nach Lateinamerika, erste Station ist Brasilien. „Natürlich“ gehe es um die europäisch-lateinamerikanische Zusammenarbeit, ferner aber auch um internationale und aktuelle Themen, wie offiziell verlautbart wurde. „Einzelheiten können wir aber erst zu einem späteren Zeitpunkt mitteilen“, hieß es.

Dabei böten sich in Brasilien schon heute drängende Themen von Relevanz an – das neu entdeckte Riesenölfeld, der Regenwald, die Not der Kinder in den Favelas, der Schönheitswahn. Brasilien zählt jährlich mehr als 200 Schönheitsoperationen pro 100 000 Einwohner. Das sind zwar nur zwei Promille – aber immerhin ungefähr fünf Mal so viel wie in Deutschland. Schuld ist vermutlich auch die Landestracht der Brasilianerinnen, der Tanga. Trotzdem, all die jungen Menschen, die ihre Körper mit Skalpell und Silikon malträtieren lassen! Wer könnte glaubwürdiger für mehr Natürlichkeit eintreten als das Bundes-Dekolleté? Das schwarz-blaue Abendkleid, das Angela Merkel für die Eröffnung der neuen Oper von Oslo wählte, bekäme nachträglich einen politischen Sinn.

Denn den gab es bisher nicht. „Mit der Wahl ihrer Abendgarderobe für die feierliche Eröffnung der Oper in Oslo sollte in keiner Weise der Prozess der Beitrittsverhandlungen mit der Türkei beeinflusst werden“, hatte Regierungssprecher Thomas Steg klargestellt. „Es hatte den Anschein, als ob die Architektur in den Hintergrund tritt“, stellte er gar „ein bisschen bekümmert“ fest.

So viel Bescheidenheit hat keine Zukunft. Deutschland muss mit den Pfunden wuchern, die es hat. Man muss freilich nicht so weit gehen, wie es Merkels Lieblingsurlaubsland Italien gerade vormacht. Postmoderner geht kaum – Silvio Berlusconi ist der erste Politiker, der ausschließlich seine Schönheit zum Programm macht. Das geht zu weit, keine Frage, und zu kritisieren – siehe oben! – sind aus prinzipiellen Erwägungen auch seine kosmetischen Operationen.

Russland ist da ein besseres Vorbild. Wladimir Putin, mit dem sich Berlusconi schon morgen trifft, ließ sich im vergangenen Sommer mit nacktem Oberkörper beim Angeln fotografieren. Die stählerne Muskulatur der lupenreinen Demokratie setzte sich in Pose, jeder verstand die Botschaft. Die Umfragewerte stiegen, nur Neider mussten lachen. Und so bietet die Brasilienreise der Kanzlerin viele Möglichkeiten. Mitte Mai wird es an der Copacabana spannend. mod

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