Der Tag, an dem … : … Obst verdächtig ist

Importiertes Obst ist ja ohnehin verdächtig. Nicht nur, dass es höchstwahrscheinlich allein unter Beigabe von gefährlichen Chemikalien und künstlicher Wärme wächst. Es wird auch noch mutmaßlicherweise von illegalen Arbeitskräften geerntet und dann von sicherheitsstandardsmissachtenden Reedereien klimaschädigend quer um die Welt verschifft. Und jetzt muss auch noch die Frage erlaubt sein: Wird im Importobst Kriegsmaterial geschmuggelt?

Am Mittwoch wurden in Süditalien in einer Lkw-Ladung griechischer Orangen zwei 3,60 Meter lange Luft-Luft- Flugkörper vom Typ Aim-120 Amraam entdeckt, die auf dem Weg nach Hamburg waren, was ganz nebenbei dem Begriff der biologischen Waffen eine ganz neue Bedeutung verleiht, aber kein Fall von spektakulärem Waffenhandel sei, wie man mitteilte. Natürlich nicht. Spektakulär, das verlangt dann doch nach etwas mehr. Spektakulär wäre vielleicht, einen Leopard-II-A4-Panzer in einer Bananenstaude versteckt zu haben. Trotzdem: Wohlwollende Überlegungen, es könne sich bei den Raketen um Ausrangiertes handeln, das ein kleines Technikmuseum schmücken solle, zerschlugen sich zeitnah, da auch die zur Raketenaktivierung nötigen elektronischen Komponenten zwischen den Zitrusfrüchten versteckt waren. Später hieß es dann, die Raketen seien vielleicht nur Attrappen. Aber da hatte das griechische Verteidigungsministerium schon mitgeteilt, so ein Raketentransport im Orangen-Laster sei „völlig normal“ – und vor allem sei er auch sehr viel günstiger als ein herkömmlicher Transport mit dem ganzen bürokratischen Spezial- und Sicherheitsschnickschnack. Man spart schließlich, wo es geht. Wir können also davon ausgehen, dass nicht nur diesem Orangentransport etwas möglicherweise Tödliches beigemengt war. Wer weiß, was alles mit neuseeländischen Äpfeln nach Deutschland kommt, mit israelischen Karotten, chilenischen Birnen? Und: Sind Oliven nicht die perfekte Tarnung für Munition jeder Art? Fragt man an der Theke künftig: Knoblauch, Mandeln oder Patronen? Was ziehen wir für Konsequenzen? Darf man noch mit Obst werfen? Hat man es je gedurft? Was, wenn es explodiert, weil eine Granate drinsteckt? Und wer wäre schuld? Der Exporteur? Der Importeur? Die EU? Ist es an der Zeit, neben dem „Bio“- und dem „Gentechnikfrei“-, noch ein „Waffenfrei“-Siegel zu beschließen? Denn so ein trojanisches Pferd muss ja nicht zwangsläufig immer aus Griechenland kommen. ari

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