Der Tag, an dem … : … Putin ins Bett geschickt wird

Iranische Studenten haben dieser Tage das Computerspiel „Rescue the Nuke Scientist“ auf den Markt gebracht – Rettet den Atomwissenschaftler! Iran. Computer. Atom. Das verheißt in dieser Kombination erst mal nix Gutes. Wer dabei etwa an eine spontane Solidaritätsaktion für die in Bedrängnis geratenen Reaktorfahrer in Krümmel denkt, liegt daneben. Um die Kernenergie, die auch ihre angenehmen Seiten hat, solange nur alles einigermaßen vernünftig eingedübelt ist, geht es eher nicht. Das Ganze ist als neue Wie-du-mir-so-ich-dir-Variante im Kampf der Kulturen zu betrachten, heute: Abteilung Egoshooter.

Es wäre ja auch mal schön gewesen, die kulturelle Überlegenheit des Morgenlandes dadurch auszudrücken, dass man den Westen mit seinem Blödsinn einfach allein lässt – aber so feinsinnig hat gerade mal wieder keiner gedacht. Die Welt ist nicht so und weil die Welt nicht so ist, haben nun auch die Iraner die Gelegenheit, am Bildschirm ihre Landsleute zu befreien, genauer, zwei iranische Atomwissenschaftler, die auf einer Pilgerreise in den Irak in die Fänge der Amerikaner geraten und von dort aus nach Israel verschleppt worden sind. Das hört sich schwer nach richtigem Leben im Falschen an: Man ballert rum und fühlt sich nachher besser, egal, wie es ausgegangen ist.

Während des gesamten Spiels ist oben rechts die iranische Flagge eingeblockt, für den Fall, dass sich der Spieltrieb mal verselbständigen sollte und die nationale Sache zu sehr in den Hintergrund gerät. „Wir versuchen“, hat nun ein Sprecher der Studentengruppe zu Protokoll gegeben, „in diesem Spiel die Idee der Verteidigung des Opfers und des Märtyrertums voranzubringen.“ Das Spiel soll zunächst in muslimischen Ländern vermarktet werden. Unter merkantilistischen Gesichtspunkten allemal eine vernünftige Idee.

Wegen ihres Atomprogramms sind die Iraner mit den USA derzeit ein wenig über Kreuz. Sollte das Computerspiel sich durchsetzen, stehen dem internationalen Egoshooter-Markt allerlei Neuerscheinungen ins Haus. In Polen wird nach Tagesspiegel-Informationen gegenwärtig an einer Version gewerkelt, bei der polnische Agenten EU-Gipfel stürmen und sämtliche Regierungschefs zwingen, aus willkürlich vorgelegtem Zahlenmaterial fortwährend Quadratwurzeln zu ziehen. In London soll ein Spiel mit dem vielsagenden Titel „Bedtime for Putin“ in die Läden kommen. Nur im Vatikan grübelt man noch. Eine erste Variante, bei der es dem Vernehmen nach darum ging, in Luxusboutiquen rote Prada-Schuhe einzusammeln, wurde vorerst verworfen. Vbn

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