Der Tag, an dem … : … wir Österreich fürchten

Helmut Schümann

Von der deutschen Fußball-Nationalmannschaft sind dieser Tage lustige Fotos gemacht worden. Sie zeigen die Spieler und den Trainer, wie sie in antiker Bergsteigerkluft die Höhen erklimmen. Die Mannschaft will auf diese Weise darauf hinweisen, dass die Europameisterschaft in diesem Jahr in Österreich und der Schweiz stattfindet. Die Spieler spielen mit dem alten Vorurteil, dass Österreich ein Land voller Berge sei. Ein anderes altes Vorurteil über Österreich lautet, dass sie dort nicht Fußballspielen könnten. Heute findet ein Freundschaftsspiel zwischen den deutschen Fußballspielern und den Österreichern statt. Deren Trainer hat gesagt: „Ein Sieg wäre schlecht für uns“ (prust), „weil ganz Österreich uns dann in den Kreis der Titelfavoriten heben würde“ (prust, prust, hi, hi, Titelfavorit, Erbarmen).

Da sieht man es wieder, nur ein Vorurteil, wie das über den Bergreichtum. In Wahrheit ist nämlich Österreich flach wie die Flunder und Holland. Wo sie, das am Rande, auch nicht Fußball spielen können. Der österreichische Fußball aber gehört mit zum Schärfsten und Schnellsten und Bestechendsten, was dieser Sport jemals hervorgebracht hat und hervorbringen wird.

Man darf also heute Abend keinen österreichischen Sieg erwarten. Weil deren Trainer, s. o., ein schlauer Fuchs ist und die Favoritenrolle lieber den Deutschen überlassen würde. Da war sie schon einmal, aber das war irgendwann in den Zeiten der Azteken in irgendeinem argentinischen Städtchen, dessen Name wir gerade vergessen haben. Nun zur voraussichtlichen Mannschaftsaufstellung: Manninger, Garics, Stranzl, Prödl, Pogatetz, Standfest, Prager, Aufhauser, Leitgeb, Ivanschitz, Linz. Die kennt man, die Stadt, den Linz nicht.

Ein weiteres Vorurteil über die Österreicher lautet, dass sie dort absolut super Skifahren können. In Wahrheit rutschen sie breitbeinig die Hänge hinunter, mit Stemmbögen breit wie Fußballfelder, weswegen sie bei Abfahrtsläufen, Riesenslaloms und Super-G immer die hinteren Plätze belegen. Bei den Männern wie den Frauen.

Europameisterschaft 2008, auch in Österreich. Wir werden uns wahrscheinlich von einigen lieb gewordenen Betrachtungen über unsere Nachbarn verabschieden müssen. Sie können nicht Ski fahren, wie auch, sie haben ja keine Berge. Dafür können sie Fußball spielen wie der Teufel. Wir werden schon sehen und angsterfüllt den Abend erwarten.uem

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