Zeitung Heute : Der Tagesspiegel

Der Tagesspiegel

Arbeitslosigkeit ist teuer. Sie kostet den Jobsuchenden das eigene Einkommen, die berufliche Zukunft und Lebenslust. Für den Staat bedeutet Arbeitslosigkeit: hohe Lasten durch Arbeitslosengeld und -hilfe, Steuerausfälle und Sozialhilfekosten, zusätzliches Wohngeld und teure Arbeitsfördermaßnahmen. Der soziale Rechtsstaat ist verpflichtet, seine Bürger mit öffentlichen Mitteln zu unterstützen, wenn sie aus eigener Kraft nicht durchs Leben kommen. Aber sehr viel Geld ließe sich sparen, auch und gerade in Berlin, wenn die Arbeitsfähigen schnell wieder in Lohn und Brot kämen.

Für die „Stütze“ ist die Bundesanstalt für Arbeit zuständig. Aber den großen Rest der Zeche zahlt das Land. Jeder zweite arbeitslos gemeldete Berliner bezieht Hilfe zum Lebensunterhalt. Besondere Problemgruppen sind – nach wie vor – alleinerziehende Mütter, Ausländer und Langzeitarbeitslose. Mehr als 50 000 Haushalte in der Stadt sind seit mehr als drei Jahren ununterbrochen auf Sozialhilfe angewiesen. Mindestens 190 000 Haushalte bekommen Wohngeld aus der Landeskasse; nicht zuletzt, weil die Arbeitslosigkeit am Konto nagt.

Für Sozialhilfe und Wohngeld muss Berlin jährlich zwei Milliarden Euro aufbringen. In gleicher Größenordnung reißen fehlende Steuereinnahmen große Löcher in die öffentliche Kasse. Die staatliche Arbeitsförderung kostet jedes Jahr dreistellige Millionenbeträge und ist doch nur ein Notnagel. All dies ist eine unmittelbare, zwangsläufige Folge der wirtschaftlichen Schwachbrüstigkeit der Bundeshauptstadt. Berlin ist auch deshalb überdurchschnittlich arm, weil produktive Unternehmen und jede Menge Arbeitsplätze fehlen. Mehr als anderswo. Haushaltsnotlage und Massenarbeitslosigkeit sind ein paar Schuhe.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben